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Nächtliche Tiefflieger – Schüler kartieren an der Müritz

Nachtexkursion zum GEO-Tag der Artenvielfalt. Foto: M. Kehlert
Nachts im Wald: Schülerinnen des Joliot-Curie-Gymnasium in Röbel/Müritz.

Ein knappes Dutzend Sechzehnjähriger, die im Dunkeln durch den Wald stapfen. Ein Grund zur Besorgnis? Mitnichten! Die Mädchen und Jungen sind Schülerinnen und Schüler vom Joliot-Curie-Gymnasium in Röbel/Müritz und unterwegs zu einer Nachtexkursion. Sie fangen und bestimmen, was nachts durch den Wald kreucht und fleucht. Sie hören Eule und Waldkauz rufen und den Flügelschlag der Fledermäuse, die auf der Suche nach einer leckeren Insektenmahlzeit an ihnen vorbeifliegen.

Hendrik Fulda, Mitarbeiter des Nationalparkamtes Müritz und ehrenamtlich beim BUND engagiert: "Um Nachtinsekten anzulocken, hatten die Schüler ein weißes Bettlaken auf einen Rahmen gezogen, der von einer starken Lampe angeleuchtet wurde. Die Zahl der Nachtfalter übersteigt die der Tagfalter um ein Vielfaches. Viele von ihnen bekommt man außer auf so einer spannenden Exkursion gar nicht zu Gesicht."

BUND-Experte Mathias Grünwald erklärt den Schülern einen Fund.
BUND-Experte Mathias Grünwald erklärt den Schülern einen Fund.

Dieser nächtliche Ausflug war Teil einer zweitägigen Entdeckungsreise durch die Wälder und Seen rund um den Mühlenberg im Müritz-Kreis. Zum 11. GEO-Tag der Artenvielfalt am 11. und 12. Juni 2009 waren insgesamt 34 Schülerinnen und Schüler unterwegs, die Tier- und Pflanzenarten des Gebietes zu erkunden und zu dokumentieren. "Kartieren" heißt das bei den Fachleuten. Mit einem Team sachkundiger Experten des BUND, des Müritz-Nationalparks und weiterer ehrenamtlicher Naturschützerinnen durchstreiften sie die Gegend bei Krümmel inmitten der wunderschönen Mecklenburger Seenplatte.

Die Artenkundler verfügen über ein umfangreiches Fachwissen zu den unterschiedlichen Tier- und Pflanzengruppen und halfen den Schülern beim Bestimmen. Nach den Streifzügen durch die Natur wurden die Ergebnisse auf dem nahegelegenen Reiterhof gesammelt und ausgewertet. Außerdem haben die Exkursionsteilnehmerinnen die im Gelände noch nicht eindeutig bestimmten Arten mit Hilfe von Bestimmungsbüchern und Mikroskopen näher untersucht.

Schülerinnen beim Mikroskopieren. Foto: Marcus Kehlert
Im Zweifel gab das Mikroskop Aufschluss.

Das Kartieren von Arten ist ein wichtiges Instrument für den Naturschutz. Erst wenn man weiß, welche Arten in einem bestimmten Gebiet vorkommen, wird auch die Bedeutung dieses Landstrichs für die Erhaltung der Biodiversität deutlich. Dieses Wissen ist ein wichtiges und schlagkräftiges Argument, wenn es darum geht, diese Gebiete gegen anderweitige Interessen zu verteidigen.

Neben der Bestimmung der höheren Pflanzen, Moose, Flechten, Insekten, Fische, Amphibien, Vögel und Säugetiere setzte sich eine Gruppe von Exkursionsteilnehmern insbesondere mit den Bodenlebewesen auseinander. Eine andere Gruppe vermaß das Gelände. Auch Umweltfaktoren spielten bei den Untersuchungen eine Rolle und wurden erfasst. Die Schüler konnten bei dem Projekt ihre biologische Fachkenntnis erweitern und viel über methodisches Arbeiten im Gelände lernen.

Insgesamt 216 Arten aus zahlreichen Tier- und Pflanzenfamilien haben die jungen gemeinsam mit den altgedienten Naturforschern entdeckt, darunter so seltene Arten wie das Christophskraut, die Mopsfledermaus sowie See- und Fischadler.

Erlenbruch am Mühlenberg, Foto: Anne Schneider, BUND.
Verwunschen und noch ganz ungestört: Erlenbruch am Mühlenberg.

Neben ihrer Bedeutung für den Artenschutz und dem umweltpädagogischen Aspekt hatte die Aktion aber auch einen politischen Hintergrund. Nicht durch Zufall fand sie in der Gegend um den Mühlenberg nahe dem Ort Krümmel statt. Diesem friedlich anmutenden Landstrich in der Nähe des Müritz-Nationalparks drohen unfriedliche Zeiten. Südlich der Region liegt der vom Verteidigungsministerium geplante Luft-Boden-Schießplatz Kyritz-Ruppiner-Heide, den meisten als "Bombodrom" bekannt. Hier sollen Kampfjets der Bundeswehr Übungsflüge abhalten und 1.700 Tiefflug-Einsätze pro Jahr fliegen.

Das Untersuchungsgebiet des GEO-Tag der Artenvielfalt liegt genau im Flugkorridor, dem sogenannten "Punkt Alpha", über den alle Kampfjets das Bombodrom anfliegen sollen. Umweltschützer befürchten, dass der zu erwartende Lärm die in unmittelbarer Nähe brütenden See- und Fischadler, Kraniche sowie den äußerst lärmempfindlichen Fischotter stören wird und die Abgase wertvolle Biotope wie die Klarwasserseen der Region negativ beeinflussen könnten. Viele im Kerosin enthaltene Zusatzstoffe gelten als Krebs- und Allergieauslöser. Ihre Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Artenvielfalt ist wenig bis gar nicht erforscht.

Um auf diese Bedrohung und den Artenreichtum der gefährdeten Region im Landkreis Müritz aufmerksam zu machen, wurde dieser spezielle Ort für das Projekt ausgesucht.

Der GEO-Tag der Artenvielfalt findet jedes Jahr in ganz Deutschland statt. Laien und Fachleute sammeln bei mehreren hundert Aktionen bundesweit Daten über die Artenvielfalt in ihrer Gegend.

Kontakt:

Hendrik Fulda
BUND-Landesvorstand Mecklenburg-Vorpommern
Wismarsche Str. 152
19053 Schwerin

Tel. 03 85 / 52 13 39- 0
Fax 03 85 / 52 13 39-20
bund.mv@bund.net



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Mädchen mit Lupe auf der Wiese, Foto: www.pixelio.de/filastockphoto

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