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Weltweit einzigartig: der Gipskarst im Südharz

Als schmaler Gürtel erstreckt sich eine nahezu einmalige Gipskarstlandschaft über die Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Im Laufe mehrerer tausend Jahre entstand hier ein komplexes Mosaik unterschiedlichster Lebensräume: Kalkbuchenwälder, Gipssteilhänge, Felsfluren, Quellsümpfe, wassergefüllte Erdfälle, Bachauenwälder und Magerrasen. Diese Vielfalt konnte sich aufgrund einer besonderen geologischen Situation – dem nur hier großräumig und oberflächennah anstehenden Gipsgestein – ausbilden.

Gipskarstlandschaft in Nordthüringen
Gipskarstllandschaft Südharz, hier in Nordthüringen.

Das Nebeneinander unterschiedlichster Lebensräume auf kleinster Fläche und der Umstand, dass hier zwei Klimazonen, das atlantisch-feuchte und das kontinental-trockene Klima, aufeinandertreffen, hat eine außergewöhnliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen hervorgebracht. Ein Gipskarstgebiet dieser Ausdehnung unter den besonderen Klimabedingungen des Übergangsbereichs findet weltweit keine Entsprechung.

Buchenwälder auf Gipsgestein in Sachsen-Anhalt
Buchenwälder auf Gipsgestein in Sachsen-Anhalt.

Buchenwälder dominieren das Bild, auf den Südhängen wachsen Wärme liebende Eichenwälder und Trockenrasen. An den Nordhängen sind kühl-feuchte, farnreiche Schlucht- und Hangmischwälder anzutreffen. Die früher als Schafweiden bzw. Mähwiesen genutzten Südhänge zeichnen sich durch eine besondere Arten- und Blütenpracht aus. Kalkmagerrasen sowie Felsfluren, Gipssteppen, Schuttfluren und Trockenwälder, die viele Pflanzen der Roten Liste beherbergen, prägen die abwechslungsreiche Karstlandschaft. Insgesamt konnten bisher über 400 Rote-Liste-Arten nachgewiesen werden.

Fledermaus in einer Gipskarsthöhle
Die Höhlen und Klüfte der Gipskarste dienen unter anderem der selten gewordenen Mopsfledermaus als Behausung.

Die enge Verzahnung der unterschiedlichen Landschaftselemente bietet auch einer Vielzahl von Tierarten in einem relativ eng begrenzten Gebiet Lebensraum. Amphibien wie der Fadenmolch, die Geburtshelferkröte und der Feuersalamander fühlen sich hier ebenso wohl wie auf den Trockenbiotopen die seltene Schlingnatter. Uhu, Kolkrabe, Schwarzstorch und Waldschnepfe sind regelmäßig anzutreffen. In den Höhlen und Klüften sowie totholzreichen Karstbuchenwäldern finden Fledermäuse ideale Sommer- und Winterquartiere. Im Thüringer Teil des Gipskarstes liegt das für die vom Aussterben bedrohte Mopsfledermaus bedeutendste Winterquartier in Deutschland. Der Südharz ist außerdem ein wichtiges Verbreitungsgebiet der Wildkatze.

Obwohl der thüringische Ministerpräsident Althaus im Jahr 2004 sein Wort gegeben hat, dass es in Nordthüringen keinen weiteren Gipsabbau geben wird, sind mittlerweile weitere Abbauvorhaben bzw. -erweiterungen in Thüringen bekannt geworden. So wurde jüngst in Ellrich-Niedersachswerfen der Abbau von Gips genehmigt. Ebenso gibt es in der Rüdigsdorfer Schweiz zwischen Neustadt und Harzungen neue Pläne zum Gipsabbau.

Auch die niedersächsische Landesregierung hat den östlichen Teil des Rösebergs, der zum Gipskarst gehört, als "Vorranggebiet für Rohstoffsicherung" ausgewiesen und damit faktisch zum Gipsabbau freigeben.



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