BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Argumente der Gipsindustrie gegen den Einsatz von REA-Gips

Natürlich ist die Gipsindustrie nicht daran interessiert, das profitable Geschäft der Naturgipsgewinnung aufzugeben. Ein wesenliches Argument daran festzuhalten ist, dass der Naturschutz beim Gipsabbau schon eine große Rolle spiele und manche ausgebeuteten Gipstagebaue schon heute zu wertvollen Sekundärbiotopen geworden seien.

Das stimmt insofern, als die Unternehmen sich bemüht haben, durch Renaturierung sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen die Auswirkungen des Abbaus zu verringern. Aber diese Bemühungen sind einerseits sehr begrenzt und andererseits nicht erfolgreich genug. Die Sekundärbiotope, die aus ehemals ausgebeuteten Tagebauen hervorgegangen sind, können kein Ersatz für den originalen Gipskarst sein. Die umfassende Renaturierung benötigt Jahrhunderte und die geomorphologische Struktur wird unwiederbringlich verändert. Beim gegenwärtigen, durch den Klimawandel verschärften Tempo des Artensterbens sind ökologische Nischen wie der Gipskarst unverzichtbar geworden!

Eine praktikable Alternative ist die Verwendung des reichlich vorhandenen sogenannten REA-Gipses, der als Abfallprodukt der Rauchgasentschwefelung entsteht. Die Gipsindustrie trägt gegen seinen Einsatz verschiedene Einwände vor, die sich jedoch entkräften lassen:

REA-Gips ist giftig, radioaktiv verseucht.

Dieses Argument ist durch verschiedene Studien widerlegt. Die REA-Gipse sind heute reiner als viele Naturgipsvorkommen.


REA-Gips taugt nicht für alle technischen Anwendungen.

Es gibt mittlerweile anspruchsvolle Hersteller, die ausschließlich mit REA-Gips arbeiten. Naturgipse werden zur Qualitätsverbesserung mit REA-Gipsen vermischt. Viele Werke verwenden beide Arten ohne weitere Differenzierung.


Es gibt nicht genug REA-Gips für den gesamten Markt.

Das stimmt auf lange Sicht. Deshalb müssen Reserven erschlossen werden, die bisher als "zu teuer" nicht berücksichtigt wurden. Dem Gips muss ein ökologisch angemessener Preis verschafft werden, auf dessen Grundlage eine Kreislaufwirtschaft möglich wird.


Langfristig geht der REA-Gips zur Neige, weil die Kohlekraftwerke aus Klimaschutzgründen möglichst schnell abgeschaltet werden müssen.

Richtig! Bis dahin müssen Kreislaufkonzepte und andere REA-Gipse (z.B. aus der Metallurgie) zur Nutzung erschlossen werden. Höchste Zeit, damit endlich anzufangen!


Die Umstellung kostet Geld.

Richtig! Umweltfreundlich produzierte Gipsprodukte sollten als solche gekennzeichnet sein, dann wird die Zahlungsbereitschaft der Kunden auch höher sein!


Der Transport des REA-Gipses zu den Gipswerken verursacht zusätzlichen Transportaufwand.

Richtig! Deshalb sollen die Transporte per Güterzug (wie schon jetzt) erfolgen.


Nicht jedes Gipswerk hat ein Bahnanschluss.

Dann muss eben einer gebaut werden! An anderen Stellen werden für Betriebe neue Straßen gebaut! Auch jetzt werden schon einzelne Tagebaue betrieben, bei denen keine Verarbeitung erfolgt. Die Gipsindustrie betreibt dann entsprechende Verladestationen.


Mit der Stilllegung von Gipstagebauen werden Arbeitsplätze vernichtet.

Richtig, jeder Strukturwandel schmerzt. Entscheidend ist aber, dass per Saldo mehr Arbeitsplätze entstehen (REA-Aufbereitung, Verladung, Transport) als verloren gehen. Es gehört zur sozialen Verpflichtung der Unternehmen, den Betroffenen vorrangig neue Arbeitsplätze anzubieten. Mit dem Erhalt der wertvollen Landschaften können außerdem im touristischen Bereich Arbeitsplätze gesichert und ausgebaut werden.


Mit der Steigerung der Nachfrage nach REA-Gips spielt man nur den Stromkonzernen in die Hände.

Richtig ist, dass die Stromerzeuger von den steigenden Gipspreisen profitieren werden. Aber es ist kein triftiges Argument gegen den Naturschutz.

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/naturschutz/gipsabbau/reagipsargumente/