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Gipskarste: Naturschutz oder Tagebau?

Buchenwald mit Gipsgestein
Typische Gipskarstvegetation: In den Höhlen und Klüften der Gipskarste sowie in den totholzreichen Karstbuchenwäldern finden zum Beispiel Fledermäuse ideale Sommer- und Winterquartiere.

Gips ist ein industriell genutzter Massenrohstoff, der in zahlreichen Steinbrüchen im Tagebauverfahren abgebaut und in Mengen von mehreren Millionen Tonnen pro Jahr zu Massenbauprodukten wie Estrich, Putz und Gipskartonplatten verarbeitet wird. Dabei werden jedoch die Gipskarste samt der charakteristische Flora und Fauna unwiederbringlich zerstört.

Karstlandschaften entstehen überall dort, wo lösungsfähige Gesteine wie Kalk, Dolomit und Gips an der Oberfläche anstehen und der korrosiven Kraft des Wassers ausgesetzt sind. Das Wasser kann in die Spalten und Klüfte dieser Gesteine eindringen und sie aushöhlen.

Solche Auflösungsprozesse finden insbesondere an geologischen Verwerfungen, Störungszonen und Rissen statt. So können im Laufe der Zeit aus kleinen Spalten und feinen Rissen große, kilometerlange Klüfte und Hohlräume entstehen. Dann fließt das Wasser nicht mehr nur oberirdisch ab, sondern sucht sich seine Wege durch den klüftigen Untergrund. 

Nur ein sehr geringer Teil der weltweit vorkommenden Karstgebiete bestehen aus Gipsgestein, das meistens unterirdisch liegt. Nur zehn Prozent der Gipsvorkommen liegen an der Oberfläche und sind der Verwitterung ausgesetzt. Gips ist etwa hundertmal leichter löslich als Kalk. Daher laufen die geologischen Prozesse in Gipslandschaften viel rascher als in Kalklandschaften ab: Seen können plötzlich trockenfallen, große Felspartien rutschen mitsamt Bäumen in die Tiefe, und jedes Jahr entstehen etliche neue Erdfälle.

Die Karste in der Schwäbischen und Fränkischen Alb bestehen aus Kalk und Dolomit, während sie im Südharz und auf den "Sieben Buckeln" in Bayern aus Sulfatgestein (Gips) bestehen.

Sämtliche abbautechnischen Eingriffe in die einzigartigen Karstlandschaften können ökologisch nicht ausgeglichen werden. Eine Karstlandschaft lässt sich - entgegen den Behauptungen der Gipsindustrie - nicht durch Renaturierungsmaßnahmen wiederherstellen.

Ausverkauf des Naturerbes durch Gipsabbau

Gipstagebau
Gipstagebau im thüringischen Teil des Gipskarstgürtels im Südharz.

Obwohl genügend Alternativen vorhanden sind, baut die Gipsindustrie einen Teil ihres Rohstoffes noch immer in den einmaligen Karstlandschaften ab. In den wertvollsten Naturbereichen - dem unbedeckten Gipskarst - kann Gipsgestein im Tagebau billig gewonnen werden. Damit ist die Ausbeutung der Gipskarste für die multinationalen Konzerne profitabler als der Kauf des reichlich vorhandenen sogenannten REA-Gipses, der als Abfallprodukt der Rauchgasentschwefelung entsteht. Die Gipsindustrie trägt verschiedene Einwände gegen den Einsatz des REA-Gipses vor, die sich jedoch entkräften lassen.

Aktuelle Brennpunkte des Konflikts zwischen Gipsindustrie und Naturschutz sind insbesondere der Gipskarstgürtel im Südharz (thüringischer und niedersächsischer Teil) sowie die "Sieben Buckel" nahe dem bayerischen Markt Nordheim. Die Länder Niedersachsen und Thüringen betreiben ebenso wie Bayern noch immer einen Ausverkauf ihres Naturerbes.

Unter dem massiven Druck von Industrie, Politik und lokalen Duodezfürsten genehmigen die Behörden einen Steinbruch nach dem anderen. So wurden zugunsten der Abbauinteressen der Gipsindustrie wertvolle Flächen der Gipskarstlandschaft bis heute weder als Naturschutzgebiete noch als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Einzig das Bundesland Sachsen-Anhalt hat seinen Anteil am Gipskarstgürtel im Südharz größtenteils unter Schutz gestellt, jedoch steht die Ausweisung eines Biosphärenreservates noch immer aus.

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/naturschutz/gipsabbau/