BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Der Saale-Elbe-Kanal: Millionen Euro werden versenkt, Natur zerstört

Unterlauf der Saale nahe der Mündung in die Elbe.
Unterlauf der Saale nahe der Mündung in die Elbe.

Still schlängelt sich die Saale an ihrem Unterlauf durch Wiesen und Felder. Sie ist zwar eine Bundeswasserstraße, aber Gütertransporte finden auf ihr praktisch nicht mehr statt. Fuhr vor der Wende noch jeden Tag ein Schiff die Saale entlang, waren es nach der Wende nur noch ein Schiff pro Woche, später nur noch ein Schiff pro Monat. In den Jahren 2006 und 2007 wurde kein Frachtschiff mehr gesichtet. Stattdessen kreisen Rotmilan und Seeadler über die Saalemündung und Biber kreuzen in der Dämmerung den Fluss. 

Die Wasserstraßenplaner sehen nun vor, für Europaschiffe mit 1.350 Tonnen Ladung einen Kanal neben der Saale in die Landschaft zu setzen. So soll die kurvenreiche untere Saale zwischen Calbe an der Saale und Barby an der Elbe umgangen werden. Ziel ist es angeblich, die Industrieregion Leipzig-Halle leistungsfähig an das europäische Wasserstraßennetz anzuschließen – so steht es seit 1992 im Bundesverkehrswegeplan, der den Kanal als "vordringlichen Bedarf" einstuft.

Die Elbe nahe der Saalemündung.
Die Elbe nahe der Saalemündung.

Derzeit läuft ein Raumordnungsverfahren, zu dem der BUND eine Stellungnahme abgegeben hat: Der Kanal ist nicht nur eine Bedrohung wertvoller Naturräume, sondern ein Grab für über 100 Millionen Steuer-Euro. Denn auch wenn die Saale für große Pötte schiffbar gemacht werden kann – die Elbe bleibt das Nadelöhr auf dem Weg zur Nordsee.

Als natürlicher Niedrigwasserfluss ist der Pegel der Elbe an 200 bis 300 Tagen im Jahr so niedrig, dass die großen Europaschiffe auf ihrem Weg nach Hamburg in der Elbe stecken bleiben würden. Ein Gutachten der Universität Halle-Wittenberg, das der BUND in Auftrag gegeben hat, belegt, dass sich der Kanal wirtschaftlich nicht rentieren würde. Ausgehend von wirklichkeitsnahen Ladungsmengen von rund 350 Tonnen  wurde ein Nutzen-Kosten-Verhältnis für den Kanal von 0,69 errechnet.

Angesichts dieser Zahlen, mit denen die Verkehrsplaner für den künftigen Saale-Elbe-Kanal  jonglieren, kann einem deshalb schwindelig werden: Täglich sollen ihn zehn Europaschiffe passieren, jedes mit mehr als 1.000 Tonnen beladen. Darauf basierend würde der Nutzen die Kosten um das Doppelte übersteigen, rechnete die Firma  Planco-Consulting aus Essen in einem amtlichen Gutachten vor. Wie die Pötte mit einem Tiefgang von 2,5 Metern die Elbe passieren sollen – darüber schweigen Verkehrsplaner und Gutachten.

Investitionsruine Hafen Halle-Trotha
Investitionsruine Hafen Halle-Trotha

Der Wasserweg von Halle zur Elbe ist von Investitionsruinen gepflastert. Bereits für vier Millionen Euro wurden seit den 90ern alle fünf Saale-Schleusen modernisiert. In Halle wurden 30 Millionen Euro für einen Hafen ausgegeben, in dem zehn Schiffe gleichzeitig abgefertigt werden können. Seit dem Jahr 2006 ist hier jedoch überhaupt kein Schiff mehr angekommen. Inzwischen wurde der wasserseitige Teil des Hafens Hafen in aller Stille abgeschrieben, die Millionen sind futsch. Die Geister-Wasserstraßen werden verwaltet von einer monströsen Schifffahrtsverwaltung, in der deutschlandweit dreimal mehr Verwalter arbeiten als es Binnenschiffer gibt. An Elbe und Saale fallen auf einen Schiffer sogar mehr als zehn amtliche Schifffahrtsverwalter.

Es ist zu befürchten, dass die Verkehrsplaner nun auf einen Ausbau der Elbe schielen. Ein ökologisches Desaster, dessen wirtschaftliche Vorteile mehr als zweifelhaft sind. Bisher wurde ein Ausbau der Elbe vom Bundesverkehrsministerium jedoch strikt verneint.

Aber gibt es denn überhaupt ein Transportproblem zwischen der Region Halle-Leipzig und den Nordseehäfen? Tatsächlich wird der Verkehr problemlos über die Schiene abgewickelt. Mit Engpässen sei auch in Zukunft nicht zu rechnen, so die Deutsche Bahn Netz-AG.

Von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee fordert der BUND, das Kanal-Projekt endlich zu  beerdigen. „Die Träume mancher Wasserstraßenbauer haben sich als das erwiesen, was sie sind: unwirtschaftliche und unsinnige Luftschlösser“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.  Es ist an der Zeit, die für den Wasserstraßenausbau zuständigen Behörden neu zu orientieren. Auch dafür liegt die Verantwortung beim Bundesverkehrsminister. Anstatt die Kanalisierung der letzten naturnahen Flüsse zu planen, sollten die Wasserstraßenbehörden am Auenschutz und an Maßnahmen zum ökologischen Hochwasserschutz mitarbeiten.

Stoppen Sie den Bau des Saale-Elbe-Kanals, eine 80 Millionen Euro teure Fehlinvestition!

Unterstützen Sie uns und unterzeichnen Sie unsere Petition, mit der wir uns an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt gegen den Bau des Saale-Elbe-Kanals wenden. Natürlich freuen wir uns auch über eine Spende.

Mehr Informationen und zur Petition: www.elbe-saale-kanal-nein.de

Elbauen bei Dessau, Foto: www.sxc.hu

Kurzstellungnahme zum Vorhaben "Ausbau der unteren Saale – Schleusenkanal Tornitz" der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/naturschutz/elbe/saaleelbekanal/