Das Vergissmeinnicht ist sehr interessiert an Wasserstandsmeldungen: Es ist auf die Schwankungen des Wasserstandes angewiesen, weder zuviel noch zu wenig Wasser bekommt der Pflanze. Besonders mit sommerlichen Durststrecken kommt die Art nicht klar. Wenn es aber in Quellbereichen siedelt, kann es Jahre ohne sommerliche Überflutung überstehen.
Doch der Lebensraum der seltenen Pflanze verändert sich stark und wird kleiner. Zum Beispiel durch die Verbauung von Uferbereichen. Der erhöhte Nährstoffeintrag durch Landwirtschaft und Luftverschmutzung lässt in den Seen Algenteppiche wachsen, die ans Ufer geschwemmt werden, dem Vergissmeinnicht zusetzen und sogar zu seinem Absterben führen können. Treibholzansammlungen an den wenigen verbleibenden natürlichen Uferabschnitten verstärken diesen Effekt noch. Das lässt sich am Bodensee vor allem am bayerischen Ufer bei Wasserburg und Lindau beobachten. Große Treibholzmengen zerstören hier den Uferbewuchs. Das Vergissmeinnicht steht zudem in ständiger Konkurrenz mit anderen Pflanzenarten wie dem Rohrglanzgras und der Schlank-Segge.
"Die regelmäßige Kontrolle aller Fundstellen, eine konsequente Öffentlichkeitsarbeit und die kontinuierliche Pflege können helfen, die Überlebenschancen des Vergissmeinnichts zu verbessern", berichtet Michael Dienst von der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU) e.V. "Der Klimawandel könnte aber zum Problem werden, weil die bodenseetypischen Wasserstandsschwankungen immer geringer werden". Aus diesem Grund unterstützt die Arbeitsgruppe Bodenseeufer das Erhaltungskulturprogramm des Botanischen Gartens an der Universität Konstanz. Dort werden seit 2004 neben dem Bodensee-Vergissmeinnicht auch andere seltene und bedrohte Strandrasen-Arten gehegt und gepflegt. Zudem setzen sich verschiedene staatliche Stellen wie die beiden Regierungspräsidien Freiburg und Tübingen für das Bodensee-Vergissmeinnicht ein: durch Monitoring, Pflege und Kontrolle der Bestände. Die Ortsgruppen Konstanz und Reichenau des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) befreien das Ufer regelmäßig von Treibholz und Algen. Gelingt es so, das Bodensee-Vergissmeinnicht vor dem Aussterben zu bewahren, wird unser Blick auch in Zukunft über himmelblaue Blütenmeere schweifen und wir vergessen die seltene Pflanze nicht.