Auf der Suche nach geeigneten Eiablageplätzen wandern die Weibchen im Frühsommer oft mehrere Kilometer weit. Ihre sechs bis 20 Eier vergraben sie anschließend bis zu zwölf Zentimeter tief im Erdreich. Sehr sonnig muss der Standort sein. Leider nutzen sie mangels geeigneter Plätze auch Ackerflächen zur Eiablage. Das Pflügen bedeutet für den Nachwuchs den sicheren Tod. Wenn aber alles glatt läuft, schlüpfen die Jungtiere im Spätsommer aus ihren Eiern, buddeln sich an die Erdoberfläche und nehmen unverzüglich Kurs auf das nahe Wasser. Dort zeigen sie einen enormen Appetit und verschlingen gierig, was immer sie zu erhaschen vermögen. So legen sie in der kurzen Zeit, die ihnen bis zum Winteranfang bleibt, möglichst große Fettreserven an. Wenn sie Glück haben, liegen hundert Lebensjahre vor ihnen. Manche Schildkröten werden sogar noch älter.
"Es gibt nur noch wenige Sumpfschildkröten. Sie haben einfach kaum noch Plätze, an denen sie leben können", berichtet Burkhard Voß, Landesvorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Brandenburg. Für Land- und Forstwirtschaft werden Sümpfe und Feuchtgebiete trocken gelegt. Das Schildkrötenweibchen findet immer seltener geeignete Eiablageplätze und macht sich auf große Wanderschaft. Wo sie dabei Straßen überquert, wird sie häufig überfahren. Viele Wasserlebensräume verschwinden zudem durch die Absenkung des Grundwasserspiegels und ausbleibende Niederschläge. Nicht selten ertrinken Sumpfschildkröten grausam, wenn sie sich in Fischernetzen verheddern.
Dem Schutz des seltenen Tiers widmet sich die Naturschutzstation Rhinluch des Landesumweltamtes Brandenburg mit Unterstützung der Heinz Sielmann- und der Klara Samariter-Stiftung. "In aufwendigen Freilandstudien haben Biologen herausgefunden, dass die hier noch etwa hundert existierenden Tiere überwiegend schon Senioren sind", so Burkhard Voß. Der Grund dafür sind fehlende Eiablageplätze. Daher konzentriert sich das Projekt vor allem auf die Regeneration geeigneter Plätze und Wohngewässer. Knapp drei Dutzend Sumpfschildkröten wurden im Jahr 2004 nach künstlicher Bebrütung und dreijähriger Aufzucht in die Wildnis der ausgedehnten Naturschutzgebiete im Norden Brandenburgs gesetzt. Wenn man sich dort geduldig an einem Teich niederlässt und ruhig verharrt, wird mit etwas Glück die Sumpfschildkröte vorsichtig ihr Köpfchen aus dem Wasser recken, zum Ufer paddeln und auf einem warmen Sandfleck die Sonne anbeten.