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Sachsen: Moorveilchen auf der Roten Liste

Tagfaltertränke mit Saftmal

Die Natur weiß die Werbetrommel gekonnt zu rühren. Damit das fliegende Tagfaltervolk nicht achtlos vorüberzieht, macht das helle Saftmal des Moorveilchens selbst dem müden Schmetterling leuchtend klar: Stopp! Halt gemacht und den langen Rüssel rein in den süffigsüßen Nektarsaft. Das Mal verströmt außerdem einen köstlichen Geruch. Als Portal zur Safttränke dient das unterste Blütenblatt: Es wölbt sich wie eine Unterlippe leicht vor, so dass Insekten bequem darauf landen können.

Moorveilchen, Foto: Dirk Weis
Foto: Dirk Weis, durch Klick vergrößern

Sein Name verrät uns, dass es die Feuchtigkeit liebt. Es ist auf sumpfigen Niedermoorwiesen zuhause. So selten intakte Niedermoore geworden sind, so selten ist heute auch das Moorveilchen. In Deutschland lebt es nur noch in Sachsen. Und dort auch nur noch an zwei Standorten im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet mit einem Vorkommen von etwa 700 Pflanzen. Die nächste Moorveilchen-Siedlung befindet sich weite 300 Kilometer entfernt in Mittelpolen.

Die Veilchensamen verbreiten sich nach einem ausgeklügelten System. Zum einen versucht das Moorveilchen sich als Samenschleuder: Die reifende, dreiklappige Fruchtkapsel trocknet nach der Blütezeit und zieht sich dabei so zusammen, dass die glatten Samen herausgepresst und einer nach dem anderen herausgeschleudert werden. Doch das Veilchen geht auf Nummer Sicher und setzt einen zweiten Mechanismus ein: Die Samen bilden ölreiche Samenschwielen aus und werden damit für Ameisen äußerst verlockend. Die Krabbeltiere schultern die Samen und tragen sie in ihre Nester. Manchmal erklimmen sie sogar das Veilchen, um die Samen direkt aus den Früchten zu bergen.

Das aussterbende Moorveilchen steht beispielhaft für die Verletzlichkeit und die zunehmende Vernichtung unserer Moore. Früher wurden die Niedermoorwiesen spät im Herbst gemäht, um für den Winter Einstreu für das Vieh zu gewinnen. Die moderne Tierhaltung auf Spaltenböden macht die Einstreu und damit die Mahd dieser für den Landwirt oft ungünstig gelegenen Wiesen überflüssig. Die Flächen beginnen dann oft zu verschilfen oder zu verbuschen, das Veilchen verliert seinen Lebensraum. An vielen Stellen wurden Wiesen außerdem aufgeforstet oder der Boden z.B. durch Grundwasserabsenkung entwässert, um ihn für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Auch Düngung verträgt das empfindliche Moorveilchen keineswegs.
 
Deshalb findet man selbst im Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft" die letzten Vorkommen nur noch am Rande eines Erlenbruchs. Die Schutzgebietsverwaltung bemüht sich aber, dem Veilchen auch die Wiesen wieder schmackhaft zu machen – durch die Extensivierung ehemaliger Niedermoorwiesen, Mahd im Spätherbst oder regelmäßiges Entbuschen. "Wir hoffen, dass sich das sensible Moorveilchen hier wieder ausbreitet", erklärt Dirk Weis von der Schutzgebietsverwaltung. Viele Faltertränken mussten jedenfalls schon schließen.

Das Moorveilchen auf einen Blick (Tabelle)

Ansprechpartner:
Dirk Weis
Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Verwaltungssitz
Dorfstraße 29
02694 Guttau 
Tel. 03 59 32 / 36 5 - 0
Fax 03 59 32 / 36 5 - 50
Poststelle.BRV@smul.sachsen.de
www.biosphaerenreservat-oberlausitz.de



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