Heute ist das Birkhuhn fast überall verschwunden. Doch in der Rhön, da gibt es den Vogel noch. Denn seit 1996 haben hessische Jäger, Förster und Naturschützer Kleinbiotope mit Wacholdersträuchern, Preisel- und Heidelbeeren angepflanzt und die Hochwiesen der Rhön von Verbuschung freigehalten. Acht Jahre vergingen, bevor das Birkhuhn sich dort wieder blicken ließ.
Die seltenen Tiere sind ausgesprochen ruhebedürftig. Gelegentlich müssen sie sich mit Birkhühnern anderer Areale paaren können, um Inzucht zu vermeiden. Tatsächlich aber sind die letzten Lebensräume der kleinen Restvorkommen zu weit voneinander entfernt – und auch sie werden weiter zerstört. Zuerst war es die großflächige Trockenlegung der Moore, die den Lebensraum des Birkhuhns drastisch verkleinerte. Mittlerweile stehen zwar viele Moore unter Schutz, aber die Bestände des Tieres schrumpfen weiter. Wo Freiflächen in Wäldern zuwachsen, die Zwergstrauchvegetation durch Vergrasung oder starken Wildverbiss abnimmt, findet das Birkhuhn keinen Unterschlupf mehr. Auch verbuschte Moore und Wiesenlandschaften bieten dem Tier nicht den nötigen Raum. "Bisher konnte der Rückgang der Art nicht gestoppt werden", berichtet Sonja Gärtner, Naturschutzexpertin vom hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Obwohl die Ursachen seit langem bekannt seien und der Landesregierung ein Artenschutzkonzept vorliege. Als wichtigste Schutzmaßnahme der kommenden Jahre müssen Birkhuhn-Areale beruhigt und vergrößert werden. Ein wichtiger Schritt: die Vernetzung der hessischen Biotope mit denen in Bayern und Thüringen. "Es nützt nichts, dass hessische Jäger in den 90er Jahren Birkhühner aus Aufzuchtprojekten in die Natur freigelassen haben, wenn die Lebensräume des Birkhuhns weiter zerstört werden", so Sonja Gärtner. Solange wir in der Rhön im Frühjahr eigentümliche Zisch- und Gluckslaute hören, wissen wir: Es gibt sie noch, die seltenen, schönen Vögel.