BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


COP9 im Rückblick

Zwei Wochen lang blickten Artenschützer weltweit erwartungsvoll nach Bonn: Vom 19. bis 30. Mai fand hier die 9. UN-Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt statt. 5.000 Delegierte aus 190 Ländern, über 400 akkreditierte Journalisten, mehrere hundert Lobbyisten von Umweltverbänden und aus der Industrie pendelten zwischen Tagungshotel, Pressezentrum und dem Ausstellungsbereich auf dem Bonner UN-Campus. Der BUND und sein internationales Netzwerk Friends of the Earth waren mittendrin.

 

"Der Fortschritt ist beim Artenschutz eine Schnecke"

Zum Auftakt der Konferenz machte der BUND mit einer "Mahnwache gegen das Artensterben" auf den Verlust von Tier- und Pflanzenvielfalt auch in Deutschland aufmerksam und forderte mehr Unternehmensverantwortung. Die großen Konzerne stellen kurzfristige ökonomische Interessen immer wieder über den Artenschutz und verschanzen sich dabei hinter der Politik.

So kommentierte der BUND die Ergebnisse der UN-Konferenz. Das zentrale Ziel, das Artensterben bis 2010 zu stoppen, wurde mit den Bonner Beschlüssen nicht erreicht. Drohenden Gefahren wie dem Anbau von Gentech-Bäumen oder von Biomasse auf Kosten der Ernährungslage und der Urwälder wurde kein Riegel vorgeschoben. Es wurde kein Stopp der Rodung von Urwäldern beschlossen, kein Herkunftsnachweis für (Tropen-)Holz verabschiedet. Es bleibt offen, ob das System zum gerechten Vorteilsausgleich verbindlich sein soll, und sämtliche Passagen zur Kontrolle der Umsetzung der Biodiversitätskonvention (CBD)  wurden wieder aus den Beschlussentwürfen gestrichen.

Zwar haben Norwegen und Deutschland hohe Beiträge für den Schutz der Regenwälder und anderer Ökosysteme versprochen – die Bundesregierung will hierfür bis 2012 500 Millionen Euro bereitstellen. Jedoch sind nur wenige Länder dieser Initiative gefolgt. In den kommenden zwei Jahren ihrer Präsidentschaft bei der Biodiversitätskonvention muss die Bundesregierung deshalb noch zögerliche Regierungen in die Finanzierung von Schutzgebieten einbeziehen. Außerdem fordert der BUND die Bundesregierung auf, den Naturschutz im eigenen Land voranzubringen, z.B. beim Schutz des Wattenmeers, der Alpen und der Buchenwälder.

Auch wenn das Ergebnis ingesamt enttäuscht, gab es Fortschritte: z.B. die Ausweisung von Meeresschutzgebieten, die Einrichtung regionaler Workshops zur Produktion von Agrosprit, die Festlegung eines Fahrplans für einen gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung biologischer Ressourcen der Entwicklungsländer. Auch die Verpflichtung, die aus der Landwirtschaft herrührende Nährstoffüberbelastung zu verringern, ist als Erfolg zu werten.

 

Nach der UN-Konferenz ist vor der UN-Konferenz

 Einiges, was in Bonn auf den Weg gebracht wurde, muss die Bundesregierung bis 2010 beschlussreif machen. Dann nämlich findet in Japan die 10. UN-Naturschutzkonferenz statt. Der neu eingerichtete Biodiversitätsrat muss ähnlich dem UN-Weltklimarat als Gremium mit international anerkannten WissenschaftlerInnen arbeiten und wie dieser die Bevölkerung für den Schutz des Klimas und der Biodiversität sensibilisieren. Denn es steht viel auf dem Spiel: die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Welt – einer unserer wichtigsten Lebensgrundlagen.

Für eine Welt der Vielfalt: der BUND vor Ort

Der BUND hat in Bonn viel auf die Beine gestellt: Auf dem Ausstellungsgelände "Plaza der Vielfalt" präsentierten wir unsere Naturschutzgroßprojekte Grünes Band, das "Rettungsnetz für die Wildkatze" und das Elbe-Projekt in einer Ausstellung. Ebenfalls gut besucht: die Schmetterlingsführung in das Bonner Naturschutzgebiet Rodderberg anlässlich der Faltertage. Erfahren Sie mehr in unserer Bildergalerie.

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/naturschutz/biodiversitaet/cop9/