Schwäbisch-Hällische Landschweine und Bunte Bentheimer Schweine
Schon mal vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein oder vom Bunten Bentheimer Schwein gehört? Die beiden allein durch ihre Zeichnung auffälligen alten Hausschweinerassen sind in den letzten Jahrzehnten nur knapp dem Aussterben entgangen. Ihr Überleben verdanken sie einigen wenigen Züchtern. Inzwischen haben die robusten Tiere und ihr Fleisch wieder neue Anhänger gewonnen. Um Erhalt und Nutzung der selten gewordenen Schweinerassen kümmern sich zwei regionale Erzeugergemeinschaften.
Dass sie beinahe ausgestorben wären, liegt daran, dass ihr Fleisch wegen seines etwas höheren Fettanteils nicht zum genormten Massengeschmack passte. Jetzt macht gerade diese Spezialitäten-Eigenschaft Schwäbisch-Hällisches und Buntes Bentheimer Schweinefleisch für Verbraucher besonders interessant. Beide Erzeugergemeinschaften halten die Tiere darüber hinaus artgerecht, gewähren ihnen teilweise Auslauf und ernähren sie ausgewogen.
BESH
Bereits 1988 gründete der Bauer und Ex-Entwicklungshelfer Rudolf Bühler mit acht weiteren Schweinehaltern in Hohenlohe die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Heute gehören fast 1.000 Bauern dazu, von denen rund ein Drittel Schwäbisch-Hällische Schweine halten. Inzwischen verarbeitet die BESH unter anderem deren Fleisch selbst im eigenen Schlachthof, auch vermarktet wird es von der Erzeugergemeinschaft in Eigenregie. So bleibt ein großer Teil der Wertschöpfung in der Region: Die BESH beschäftigt heute rund 250 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 75 Millionen Euro.
„Mit den Fördermitteln aus der
2. Säule wird gegenüber
Direktzahlungen ein Vielfaches
an Investitionen und Mehrwert für
die Bauern und Bäuerinnen
und die Region generiert.“
Rudolf Bühler, BESH
In der Startphase erhielt die BESH eine bescheidene Förderung aus Mitteln der 2. Säule der EU-Agrarpolitik, 2002 wurde die Modernisierung des von der Stadt Schwäbisch Hall übernommenen Schlachthofs aus dem Programm Regionen Aktiv bezuschusst. Gerade in der Aufbauphase wäre eine stärkere Förderung – selbst nur in Form einer Bürgschaft – hilfreich gewesen, um das nötige Startkapital zusammenzubekommen, sagt Rudolf Bühler. Das gelang der BESH daher nur mühsam durch private Initiative. Schlachtkonzerne dagegen erhielten Millionensubventionen.
Erzeugerzusammenschluss Buntes Bentheimer Schwein
Der Erzeugerzusammenschluss (EZS) Buntes Bentheimer nimmt sich gegen die BESH noch bescheiden aus: Drei Bioland- und zwei Naturlandbetriebe arbeiten darin mit einer Metzgerei zusammen. Federführend ist das Ehepaar Büning vom gleichnamigen Naturland- und Archehof im nördlichen Münsterland. Sie halten neben den Bunten Bentheimer Schweinen noch eine Reihe weiterer seltener Nutztierrassen, so beispielsweise Vorwerkhuhn und Westfälischen Totleger.
Abgesehen von einem Minimalzuschuss zu einer Machbarkeitsstudie und einem Werbekonzept hat der EZS bisher keine Fördermittel erhalten. Die Bünings, die das Projekt neben ihrem eigenen Betrieb voranzubringen versuchen, sind damit überlastet. Bei seiner jetzigen Größe kann der EZS aber noch keinen eigenen Projektmanager bezahlen. Eine Anschubfinanzierung wäre hier äußerst hilfreich.
Denn die Bio-Ferkel sind gefragt und knapp. Der EZS zahlt dafür rund das Dreifache des Marktpreises für konventionelle Tiere. Und auch der Erzeuger-Kilopreis des Bentheimer Bio-Mastschweinefleisches liegt mit 3,30 Euro mehr als doppelt so hoch wie der für normales Qualitäts-Schweinefleisch. Obwohl ihm bei Info-Veranstaltungen angesichts solcher Preise oft der Neid entgegenschlage, sei es nicht leicht, andere Bauern von der Umstellung auf Bio zu überzeugen, sagt Martin Büning.
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