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Regional-Klasse statt Industrie-Masse

Neue Vermarktungswege für ländliche Produkte

Die Deutschen wollen immer billigere Lebensmittel. Wirklich? Ein aktueller Trend geht genau in die entgegengesetzte Richtung: Immer mehr Verbraucher kaufen inzwischen Qualität und regionale Spezialitäten statt anonyme Massenprodukte. Außerdem möchten viele im Zeitalter von Gammelfleisch und Tierseuchen möglichst genau wissen, wo und wie das produziert wird, was sie essen. Die regionale Vermarktung von Lebensmitteln kann solche Wünsche optimal befriedigen und bietet zugleich landwirtschaftlichen Produzenten neue Absatzwege mit guten Konditionen.

Einen eigenen Hofladen kann und will nicht jeder Landwirt betreiben. Um dennoch den Weg zum Verbraucher zu verkürzen – und dadurch mehr am Verkaufsumsatz teilzuhaben – sind unterschiedliche Konzepte entwickelt worden. Etwa die Gründung einer Kette spezialisierter Regionalprodukt-Läden auf Franchise-Basis, die Vermarktung landwirtschaftlicher Waren unter einer regionalen Marke über den klassischen Lebensmitteleinzelhandel oder das Vernetzen von Anbietern und potenziellen Kunden über eine regionale Internetplattform. Für alle diese Ansätze gibt es erfolgreiche Beispiele.


Q-Regio-Logo

Q-Regio-Hofläden

In der Uckermark, einer strukturschwachen Region mit über 25 Prozent Arbeitslosenquote im Nordosten Brandenburgs, entstand 2005 mit Förderung durch das Programm Regionen Aktiv aus dem Milchvieh- und Käseproduktionsbetrieb Wolters das Franchise-Konzept Q-Regio. Selbständige Lizenznehmer haben inzwischen fünf Q-Regio-Hofläden mit einheitlichem Auftritt in brandenburgischen Städten eröffnet. Zum Start gab es dabei Investitionsförderungen aus dem Leader-Programm der Zweiten Säule. Das Angebot der Läden umfasst regionale Lebensmittel von ausgesuchter Qualität, darunter viele handwerklich hergestellte Produkte von Kleinstbetrieben, Spezialitäten und Bioprodukte.

Die Q-Regio-Läden, angesiedelt zwischen Feinkostgeschäft, Bioladen und Supermarkt, kommen bei den Kunden gut an. Die freuen sich über die heimischen Produkte und zugleich darüber, dass die gesamte Wertschöpfungskette vor der Haustür stattfindet. Das Regionalkonzept bedingt zugleich Saisonalität – es gibt frische Erdbeeren, aber nicht zu jeder Jahreszeit. Das erhöht die Glaubwürdigkeit. Die Zulieferer tragen durch ihre kleinteilige, landschafts- und naturschonende, häufig ökologische Wirtschaftsweise und zum Teil auch durch die Nutzung seltener Tier- und Pflanzenarten zum Erhalt der ländlichen Artenvielfalt bei.

Die über 60 Zuliefererbetriebe haben mit Q-Regio einen zuverlässigen, regelmäßigen Abnehmer. Auch Betriebe, deren Produktionsmengen für Großabnehmer nicht ausreichen, können so ihre Spezialitäten erfolgreich vermarkten. Auf diese Art sichert die Regionalvermarktung ländliche Arbeitsplätze bei den Produzenten, zusätzlich sind bisher schon elf Arbeitskräfte im Q-Regio-Vermarktungssystem beschäftigt. Weitere Läden in Brandenburg und Berlin sind geplant.


Unser-Land-Logo

Regional-Label: Unser Land

In Bayern verfolgt das Netzwerk Unser Land bereits seit vielen Jahren einen anderen Weg bei der Vermarktung regional produzierter Lebensmittel. Qualitätsprodukte von landwirtschaftlichen Betrieben aus neun Landkreisen rund um München werden unter dem gemeinsamen Label Unser Land in mehr als 600 Verkaufsstellen des Lebensmitteleinzelhandels verkauft, darunter zahlreiche Supermärkte.

Die Produzenten arbeiten nach den regionalen, ökonomischen und sozialen Richtlinien von Unser Land oder teilweise nach Bio-Richtlinien. Sie setzen sich für Fütterung ohne Gentechnik aus eigenem Anbau ein, zum Beispiel auch mit bayerischem Sojaanbau und eigener bayerischer Sojaverarbeitung.

Langfristig wird von der Initiative eine Umstellung der landwirtschaftlichen Mitgliedsbetriebe auf ökologischen Landbau angestrebt. Weitere Ziele von Unser Land sind der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft und der Kulturlandschaft, die Sicherung von Arbeitsplätzen im verarbeitenden Handwerk sowie kurze Transportwege. Das Netzwerk fungiert dabei als Schnittstelle zwischen Landwirten, verarbeitendem Handwerk und Vermarktern. Unser Land organisiert darüber hinaus Marketing und Logistik.

Wie Q-Regio erhielt auch Unser Land in der Startphase Fördermittel aus verschiedenen Programmen. Inzwischen sichert die Regionalvermarktung rund 70 Teilzeitarbeitsplätze in bäuerlichen Familienbetrieben und rund 180 Landwirte und Landwirtinnen können ihre Erzeugnisse über das Netzwerk vertreiben.


Heimat braucht Freun.de

Wer sich doch lieber selbst auf den Weg zum Erzeuger regionaler Spezialitäten machen will, weiß oft erst einmal nicht, wo er diese finden kann. In Niedersachsen bietet der dortige BUND-Landesverband mit der Internetplattform Heimat braucht Freun.de eine Lösung: Anbieter von Produkten und Dienstleistungen, die zum Erhalt alter niedersächsischer Kulturlandschaften beitragen, sind hier in einer übersichtlichen Datenbank leicht zu finden.

Schwerpunkt sind Fleischspezialitäten etwa von Moor- und Heidschnucken oder von alten Rinderrassen, mit denen Bauern und Bäuerinnen wertvolle Landschaften erhalten und pflegen. Außerdem sind Streuobst und -säfte, Honig, Milch, Käse, Wild und Fisch ebenso wie Holz oder Kräuterheu zu finden, schließlich auch Dienstleistungen wie Urlaub auf dem Bauernhof.

Zusätzlich finden im Rahmen von Heimat braucht Freun.de und des Nachfolgeprojekts Heimatgenüsse aus Niedersachsen Hoffeste und zahlreiche Veranstaltungen statt, bei denen Verbraucherinnen und Verbraucher das Landleben der Region und ihre traditionellen Spezialitäten erleben und kosten können.

Damit auch die Regionalvermarktung mit ihren vielen positiven Impulsen für Umwelt und Beschäftigung wieder mehr Förderung erhält, müssen die Agrarsubventionen erheblich umverteilt werden.


Mehr Infos:



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Wussten Sie, dass Sie jedes Jahr weit über 100 Euro an Steuern zahlen, die Brüssel für die Landwirtschaft ausgibt? So kommen jährlich über 50 Milliarden Euro zusammen.

Mehr im BUND-Agarexpress:

Dieses Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Für die Inhalte ist allein der BUND verantwortlich.

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