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Biobauer Carsten Bauck mit Henne und Ei. Foto: Bauckhof
Was war zuerst da? Ganz klar: Der Bauer. Bei Carsten Bauck in Klein Süstedt haben es die Hühner gut.

Hühnerstall fährt Motorrad

Glückliches Geflügel im Mobilheim

Die meisten kaufen inzwischen statt Eiern aus Käfigbatterien lieber Eier von glücklichen Hühnern. Zum Beispiel aus Freilandhaltung. Auch das Brathähnchen soll möglichst ein würdiges Leben haben, bevor es als Broiler auf unseren Tellern landet. Doch das Bild von einer kleinen Schar Hühner, die frei auf dem Bauernhof umherlaufen und ab und zu mal ein Ei legen, ist inzwischen überholt. Einige Höfe gehen jetzt einen neuen Weg, um tiergerechte Haltung und Wirtschaftlichkeit optimal zu vereinbaren.

Hühner haben natürliche Feinde wie Fuchs und Habicht. Daher haben sie auch ein angeborenes Programm, sich vor ihnen zu schützen: Sie flattern bei Gefahr auf Bäume oder suchen Schutz unter Sträuchern. Nicht jeder Hühnerauslauf hat solche Zufluchtsorte. Daher halten sich die Hühner am liebsten in der Nähe des Stalleingangs auf, um sich jederzeit in Sicherheit bringen zu können. Seit langem suchen Hühnerbetriebe nach Möglichkeiten, die Tiere auch zum frischen Grün zu bringen, das weiter vom Stall entfernt wächst.

Mobile Hühnerställe: so funktionieren sie

Eine innovative Lösung dieses Problems ist nun praxisreif: mobile Hühnerställe. Diese leichten Ställe aus folienbespannten Stahlkonstruktionen stehen auf Kufen oder sogar Rädern und lassen sich mit Hilfe von Traktoren bewegen. So kommt der Hühnerstall – und mit ihm die Hühner – immer wieder zu einem frischen Stück Wiese, während die zuvor genutzte Fläche sich mitsamt ihrer Artenvielfalt erholen kann. Auch die Inneneinrichtung der Mobilställe ist für eine zugleich funktionale und tiergerechte Haltung optimiert. So gibt es etwa verschiedene Ebenen – wie im natürlichen Lebensraum Wald. Fütterung und Abtransport der Eier sind trotz der Hühnerfreiheit weitgehend automatisiert.

Mobiler Hühnerstall wird per Traktor umgesetzt, Bild 1. Foto: Bauckhof
Mobiler Hühnerstall wird per Traktor umgesetzt, Bild 2. Foto: Bauckhof

Bauckhof

Der Bauckhof im niedersächsischen Klein Süstedt, seit über 70 Jahren Demeterhof, setzt die Mobilställe erfolgreich ein. Carsten Bauck schafft es damit, den hohen Anspruch an tiergerechte Haltung mit wirtschaftlicher Eier-Erzeugung zu verbinden. Die Automatisierung der Fütterung und des Eiersammelns im Mobilstall ermöglicht es, dass Bauer Bauck sich täglich Zeit für seine Hühner nehmen kann, etwa um zu prüfen, ob alle Tiere gesund sind.

Schmid-Hof

Auch auf dem Schmid-Hof in Westhausen im baden-württembergischen Ostalbkreis wird Mobilstall-Technik genutzt, hier für Mastgeflügel. Besonders naturnah ist die Putenhaltung. Deren Ställe stehen im Wald, und die Tiere nutzen den Wald als Auslauf und Futterquelle. Die Puten fühlen sich so tierisch wohl, denn sie haben es gern schattig und meiden direkte Sonne.

Diese vorbildlichen Geflügelhaltungen sind in Deutschland bisher die Ausnahme. Die steigende Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch aus tiergerechten Haltungen führt zwar zu immer größeren Marktanteilen. Aber die Erzeugung wächst nicht mit. Daher muss ein beträchtlicher Anteil der Freilandeier importiert werden, während hierzulande noch immer die meisten Hühner in engen Käfigbatterien sitzen, die Minister Seehofer im Jahr 2006 wieder erlaubt hat.

Damit in Deutschland die Erzeugung von Geflügel und Eiern aus Freilandhaltung mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann, braucht es gezielte staatliche Anreize. Dazu müssen Subventionen umverteilt werden.

Mehr Infos:

 

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/landwirtschaft/vielfalt_foerdern/gute_beispiele/mobile_huehner/