Schon 2005, als die Milch-Erzeugerpreise in Deutschland tief im Keller waren, feierte die Usselner Molkerei mit einem zunächst absurd scheinenden Vermarktungskonzept überraschende Erfolge. Mitten im Geiz-ist-geil-Zeitalter bewarben die Milchverarbeiter ihr Hauptprodukt explizit mit einer Preiserhöhung: Die Bio-Vollmilch wurde wahlweise als „Erzeuger-Fair-Milch“ mit fünf Cent Preisaufschlag pro Liter angeboten.
Diese fünf Cent gingen direkt an die produzierenden Bauern in der Region, so versprach es die begleitende Kampagne, und sichere ihnen damit die Deckung ihrer Kosten. Die Anlehnung an die etablierte Idee des fairen Handels war dabei offensichtlich und beabsichtigt. Bisher stand dieser Begriff vor allem für ehemalige „Kolonialwaren“ wie Kaffee, Tee oder Kakao. Genau wie bei diesen Produkten geht es auch bei der fairen Milch darum, benachteiligte bäuerliche Produzenten durch einen freiwillig gezahlten Mehrpreis zu unterstützen.
Statt des erwarteten leichten Umsatzrückgangs verkaufte die Upländer Bauernmolkerei sogar mehr von der teureren Milch. Viele fragten ausdrücklich nach der Milch mit dem ideellen Mehrwert. Dieser Erfolg spornte die Milchvermarkter dazu an, im Juli 2007 als erste deutsche Molkerei mit einer generellen Anhebung des Biomilch-Erzeugerpreises auf kostendeckende 40 Cent pro Liter ein Zeichen zu setzen. Seither trägt das gesamte Sortiment der Upländer Bauernmolkerei von der Vollmilch über Quark bis hin zu Käsespezialitäten das „Erzeuger-Fair-Milch“-Logo.
Auch vom zwischenzeitlichen allgemeinen Preisanstieg profitieren die Upländer Milchlieferanten selbstverständlich, im Oktober bekamen sie bereits rund 45 Cent pro Liter.
Der Erfolg der regionalen Fair-Milch zeigt, dass ein möglichst niedriger Preis nicht allein ausschlaggebend ist. Wenn, wie hier geschehen, eine Preiserhöhung mit überzeugender Information und Aufklärung einhergeht, sind viele Verbraucher offenbar durchaus bereit, für ein regionales Qualitätsprodukt mehr zu bezahlen.
Die Markteinführung der fairen Milch war gut vorbereitet: Schon eine Vorab-Marktanalyse der Kieler Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel, die im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau gefördert wurde, bescheinigte dem Vorhaben gute Chancen.
Die Geschichte der 1996 als Upländer Bauernmolkerei wiedereröffneten Usselner Molkerei ist ein Paradebeispiel für bäuerliche Initiative bei Weiterverarbeitung und Vermarktung der eigenen Produkte. Weil es weit und breit keine Bio-Molkerei gab, übernahmen Biobauern aus Nordhessen und Nordrhein-Westfalen rund um den umtriebigen Josef Jacobi die kurz zuvor stillgelegte Molkerei kurzerhand selbst.
Heute sind sie dadurch nicht nur Rohstofflieferanten, sondern bestimmen selbst bei Verarbeitung und Vermarktung ihrer Bio-Milchprodukte mit. Neben den Bauern sind regionale Privat- und Geschäftsleute und auch der BUND als Gesellschafter an der Betreibergesellschaft beteiligt.
Inzwischen verarbeitet die Bauernmolkerei jährlich 19 Millionen Kilogramm Bio-Milch von 104 Betrieben und ergänzend 4 Millionen Kilogramm konventionelle, aber ebenfalls gentechnikfreie Milch und beschäftigt 30 Arbeitskräfte.
Darüber hinaus sichert sie durch ihre fairen Konditionen zahlreiche ländliche Arbeitsplätze auf den Zulieferbetrieben. Die ökologische Wirtschaftsweise der Milchbauern und die Weidehaltung tragen zum Erhalt der ländlichen Artenvielfalt bei.
Im „Upländer Milchmuhseum“ im alten Molkereigebäude erfahren Interessierte mit allen Sinnen Wissenswertes über Milch und ihre Geschichte.
Eine aktuelle Studie der Universität Kassel bescheinigt der Upländer Bauernmilch einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, denen zahlreiche positive gesundheitliche Effekte wie beispielsweise eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben werden.
Hauptgrund für den hohen Anteil der gesunden Fettsäuren ist der Studie zufolge der vergleichsweise sehr geringe Anteil an Silo-Maisfutter, der bei den Upländer Bio-Milchbauern eingesetzt wird. Die Kühe ernährten sich stattdessen vor allem von gesundem Grünfutter wie Gras direkt auf der Weide, Heu und Grassilage.
Mehr Infos unter www.bauernmolkerei.de/font>/u>