BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Alles Müller: Vielfalt als Betriebsgrundlage

Die Wandlung eines Bodensee-Bauern

Sind Biobauern weltfremde Spinner? Viele Landwirte haben das lange Zeit geglaubt. Manche haben aber auch schon lange umgedacht. Einer von ihnen ist Helmut Müller, Inhaber eines jahrhundertealten landwirtschaftlichen Familienbetriebs in Allensbach-Kaltbrunn am Bodensee. Er stellte den Müllerhof schon vor über 25 Jahren auf Bio um. Zuvor war Müller Verfechter einer rationalisierten Landwirtschaft mit viel Chemie und Kunstdünger gewesen.

Biobauer Helmut Müller. Foto: Dominic Menzler, Förderpreis Naturschutzhöfe
Biobauer aus Überzeugung: Helmut Müller

Der Anlass für Helmut Müllers Einstellungswandel war ein familiärer. Sein drittes Kind kam behindert zur Welt, mögliche Ursache laut zwei Unikliniken: der Einsatz von Pestiziden. Statt aufzugeben, stellten die Müllers ihren Hof konsequent und sehr erfolgreich auf biologischen Anbau um. Vielfalt und geschlossene Kreisläufe sind für sie zentrale Prinzipien, die in allen Bereichen immer wieder deutlich werden. Anstatt sich wie viele landwirtschaftliche Großbetriebe auf wenige Produkte zu spezialisieren und auf Rationalisierung zu setzen, steht der Müllerhof heute stabil auf einer ganzen Reihe von Standbeinen. Die Müllers halten Rinder zur Milch- und Fleischnutzung, Schweine, Hühner, Ziegen und Pferde. Die Pferde deuten bereits auf den touristischen Betriebszweig hin: Auf dem Müllerhof kann man in Ferien woh nungen oder im Heuhotel übernachten, und auch Gäste-Pferde werden beherbergt.

Die Tiere auf dem Hof werden überwiegend mit Heu und Getreide aus eigener Produktion gefüttert. Beim Getreide setzt Helmut Müller noch einmal besonders auf Vielfalt: Neben gängigen Arten wie Gerste, Hafer, Weizen und Roggen baut er auch die seltenen Urgetreide Dinkel, Emmer und Einkorn an. Müller kauft kaum Saatgut ein, sondern vermehrt ganz traditionell selbst und zieht so seine eigenen Hofsorten. Zwei regionale Biobäckereien verarbeiten das Getreide zu verschiedenen Biobroten, die es wiederum auch im Hofladen der Müllers zu kaufen gibt. Der bietet natürlich noch diverse weitere hofeigene Spezialitäten an und bildet so ein weiteres wirtschaftliches Standbein.

Energie aus dem Feuchtbiotop

Zusätzlich kümmert sich Helmut Müller schon lange um die Landschaftspflege nahegelegener Naturschutzgebiete. In den Feuchtgebieten am Rande des Bodensees muss regelmäßig das Schilfgras gemäht werden. Diese Pflegemaßnahme wird als Gemeinschaftsaufgabe von Land und EU bezahlt. Für das dabei anfallende, nur langsam und unvollständig verrottende Schilfgras-Heu gab es lange Zeit keine sinnvolle Verwendung. Doch Kreislauf-Wirtschafter Helmut Müller hat auch dafür inzwischen eine Idee.

In Zukunft sollen die Landschaftspflege-Abfälle in einem Stroh-Heizwerk bewährter dänischer Bauart verbrannt werden. Mit der Wärme könnte das ganze Dorf mit rund 800 Einwohnern versorgt werden. Die wären damit auf Dauer mit dezentraler, nachwachsender und klimaschonender Energie versorgt. Und außerdem unabhängig vom Ölpreis. Gut 250.000 Liter Heizöl jährlich soll die Anlage einsparen, die sich momentan in der konkreten Planungsphase befindet. Dank einiger Zusagen für notwendige Fördermittel zur Anschubfinanzierung sieht es momentan gut aus für die Realisierung des innovativen Projekts.

Helmut Müller selbst ist übrigens natürlich schon längst energetisch autark. Eine Biogasanlage, die mit Gülle und Futterresten betrieben wird, und Solarzellen auf dem Stalldach versorgen den Müllerhof mit Wärme und Strom.

www.biohof-mueller.de

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/landwirtschaft/vielfalt_foerdern/gute_beispiele/erfolgsrezept_vielfalt/