Auf diese Weise wird sich die Pflege von 200 Hektar bodenseenaher Feuchtflächen im Naturschutzgebiet Mindelsee und Wollmatinger Ried künftig doppelt auszahlen: Schutz und Erhalt einer alten Kulturlandschaft mit ihrer Artenvielfalt und kostenlose Energiegewinnung in einem. Denn Land und EU bezahlen das Schilfmähen je zur Hälfte in Form einer Landschaftspflegeprämie schon seit 30 Jahren. Bis 2018 ist die weitere Finanzierung zugesagt. Das ist für die Sicherheit der Investition in das neue Heizwerk und das Dorf-Versorgungsnetz in Höhe von rund 800.000 Euro entscheidend.
Gemäht werden die Feuchtflächen von drei heimischen Landwirten, den Mahdzeitpunkt bestimmen Naturschutzverbände vor Ort, u. a. der BUND. Bisher wird das schwer verrottbare Riedgras-Heu und Schilf in charakteristischen großen runden Ballen mehrere Jahre vor Ort auf den Wiesen gelagert. Auch danach ist es nur bedingt zum Mulchen oder Einstreuen verwendbar und stellt im Grunde ein Bio-Entsorgungsproblem dar.
Das Material ist Getreidestroh sehr ähnlich, daher kann zur thermischen Nutzung die etablierte Strohverbrennungstechnologie genutzt werden, die in Dänemark seit mehr als 20 Jahren in über 1.000 Anlagen erprobt ist. Die in den Naturschutzgebieten anfallende Menge von rund 1.200 Tonnen Landschaftspflegeheu im Jahr würde ausreichen, um ganz Kaltbrunn mit Wärme zu versorgen. Zunächst wird damit gerechnet, dass sich drei Viertel der Einwohner anschließen lassen. Dazu müssten 550 Tonnen verfeuert werden. Damit könnten rund 260.000 Liter Heizöl ersetzt werden, auch die CO2-Bilanz würde sich drastisch verbessern.
So werden Naturschutz und Klimaschutz intelligent verbunden und die Menschen aus regionalen Quellen mit Wärmeenergie versorgt - das ist nachhaltig und innovativ. Obendrein bringt das Projekt Arbeit in die Region: Offensichtlich besonders in der Planungs- und Bauphase für Firmen und Betriebe aus der Umgebung, aber auch langfristig wird der Betrieb des Heu-Heizwerks zwei Vollzeit-Dauerarbeitsplätze sichern. Dazu kommen die Zusatzeinkünfte für die Bauern, die die Wiesenmahd durchführen.
Die Projektentwicklungsgemeinschaft ELABO (Energie und Landschaftspflege Bodensee) konnte bereits verschiedene Fördermittel für das Vorhaben einwerben. Die Realisierung des Projekts scheint inzwischen dank detaillierter Planung und Machbarkeitsstudie weitgehend gesichert. Nicht zuletzt die in Aussicht gestellten günstigen Energiekosten dürften genügend Kaltbrunner Bürger und Bürgerinnen überzeugen, Wiesen-Wärme-Abnehmer zu werden.