Auf Haus Bollheim ist das anders. Hier stehen die Ställe und Hofgebäude Interessierten, Kindergruppen und Schulklassen offen. Viele Kundinnen und Kunden des Hofladens nutzen das und schauen sich genau an, woher ihre Lebensmittel kommen. Wem es gefällt, dass die Tiere auf der Weide oder in Strohställen gehalten werden und dass im Getreide hier und dort Kornblumen leuchten, der kann gleich vor Ort probieren. In der hofeigenen Käserei wird die Milch zu köstlichen Käsen, Quark und Jogurt verarbeitet. In den alten, typisch rheinischen Gebäuden des Hofes befindet sich auch die Hofbäckerei, wo Bäcker Jürgen Zippel und sein Team das Getreide zu Brot und feinem Gebäck verarbeiten. Der Hofladen und das Café bieten allerhand ökologische Köstlichkeiten überwiegend aus eigener Verarbeitung.
Getreide für den Klimawandel
Weil es für die speziellen Anforderungen des Ökolandbaus noch kaum geeignete Getreidesorten gibt, engagiert sich Haus Bollheim in der Getreidezucht. Zum einen werden die fast verschwundenen Getreidesorten Emmer und Einkorn erhalten und weiterentwickelt. Zum anderen zielt die Forschung darauf ab, Getreidesorten zu züchten, die besonders gut zur Region passen. Der Hof liegt im Regenschatten der Eifel und muss mit sehr wenig Niederschlag auskommen. Der Klimawandel wird künftig auch viele andere Regionen vor das Problem des Wassermangels stellen. Diese könnten von der Züchtungsforschung auf Bollheim profitieren.
Niederungsvieh statt Turbokuh
Auch bei den Tieren trägt Bollheim mit dem Rotbunten Niederungsvieh, einer alten Rinderrasse, zur Vielfalt bei. Die gemütvollen Tiere sind keine Hochleistungskühe, sondern überzeugen durch ihre Robustheit und das schmackhafte Fleisch. Doch Rinder für Milch und für Fleisch zu nutzen, ist in der Hochertragslandwirtschaft unüblich. Milchbauern halten Hochleistungskühe und Fleischerzeuger Fleischrinderrassen. Finanziell macht es einen großen Unterschied, je Kuh 6.000 Liter Milch im Jahr verkaufen zu können wie beim Niederungsrind oder bis zu 10.000 Liter von einer Turbokuh. Nicht selten hat ein sogenannter „Hochleistungsvererber“, etwa ein Bulle, bis zu eine Million Nachkommen. Die genetische Vielfalt bleibt dabei auf der Strecke. Daher sind viele Haustierrassen bedroht oder schon ausgestorben.
Erfolgsgeheimnis: Vielfalt
Doch wenn Vielfalt sich heute kaum rechnet, wie schafft es Haus Bollheim dann, mit seinen 200 Hektar Landwirtschaft, der Backstube, der Käserei, dem Hofladen und zehn Wochenmarkt-Ständen sogar für rund 40 Menschen Arbeitsplätze zu sichern?
Der Hof bekommt Direktbeihilfen aus Brüssel wie fast alle Betriebe. Im Jahr sind es rund 38.000 Euro Direktzahlungen. Das ist bei 40 Arbeits kräften auf dem Hof nicht einmal ein Monatslohn pro Person. Diese Direktzahlungen sind nicht an die Zahl der Arbeitsplätze oder an besondere Umweltleistungen gebunden. Das Geheimnis, warum dennoch so viele Menschen von der Arbeit auf Haus Bollheim leben können, liegt wohl eher in der Vielfalt der eigenen Verarbeitung und Vermarktung. Doch wie können die Bollheimer mit der industriellen Verarbeitung und den Discountern konkurrieren, die Nahrungsmittel viel billiger anbieten?
Auch dafür gibt es Beihilfen aus Brüssel. Bei Haus Bollheim macht die Förderung für Ökolandbau, regionale Vermarktung und Naturschutz nochmals 23.000 Euro im Jahr aus. Das Geld stammt aus dem Topf für Ländliche Entwicklung (Zweite Säule). Mit Hilfe dieser Förderung konnte Haus Bollheim die handwerkliche Verarbeitung, den Hofladen und die Werbung ausbauen – und nach und nach mehr Arbeitsplätze schaffen.
www.bollheim.de
www.muehlenbaeckerei-zippel.de