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Der Bilderbuch-Bauernhof

Es gibt ihn noch: Haus Bollheim in der Voreifel

Gibt es das eigentlich noch, einen Bauernhof, der alles hat: Kühe, Schweine, Hühner, Bienen, Getreide, Gemüse und Obst? Selten. Haus Bollheim in der Voreifel ist so ein Hof, auf dem Gäste und Kunden bei ihrem Streifzug durch die offenen Ställe erleben können, wie vielfältig die Landwirtschaft ist. Es wird immer schwieriger, Kindern einmal zu zeigen, woher unsere Lebensmittel stammen. Bei Umfragen geben manche Kinder bereits an, Kühe seien lila. Dass Mortadella von Tieren stammt, wissen auch längst nicht mehr alle. Kein Wunder, leben doch zum Beispiel rund 90 Prozent der Schweine in
Deutschland in Ställen, zu denen niemand Zutritt hat.

Biobäcker Jürgen Zippel von Haus Bollheim züchtet altes Getreide neu. Foto: Mühlenbäckerei Zippel
Biobäcker Jürgen Zippel von Haus Bollheim züchtet altes Getreide neu.

Auf Haus Bollheim ist das anders. Hier stehen die Ställe und Hofgebäude Interessierten, Kindergruppen und Schulklassen offen. Viele Kundinnen und Kunden des Hofladens nutzen das und schauen sich genau an, woher ihre Lebensmittel kommen. Wem es gefällt, dass die Tiere auf der Weide oder in Strohställen gehalten werden und dass im Getreide hier und dort Kornblumen leuchten, der kann gleich vor Ort probieren. In der hofeigenen Käserei wird die Milch zu köstlichen Käsen, Quark und Jogurt verarbeitet. In den alten, typisch rheinischen Gebäuden des Hofes befindet sich auch die Hofbäckerei, wo Bäcker Jürgen Zippel und sein Team das Getreide zu Brot und feinem Gebäck verarbeiten. Der Hofladen und das Café bieten allerhand ökologische Köstlichkeiten überwiegend aus eigener Verarbeitung.

Getreide für den Klimawandel

Weil es für die speziellen Anforderungen des Ökolandbaus noch kaum geeignete Getreidesorten gibt, engagiert sich Haus Bollheim in der Getreidezucht. Zum einen werden die fast verschwundenen Getreidesorten Emmer und Einkorn erhalten und weiterentwickelt. Zum anderen zielt die Forschung darauf ab, Getreidesorten zu züchten, die besonders gut zur Region passen. Der Hof liegt im Regenschatten der Eifel und muss mit sehr wenig Niederschlag auskommen. Der Klimawandel wird künftig auch viele andere Regionen vor das Problem des Wassermangels stellen. Diese könnten von der Züchtungsforschung auf Bollheim profitieren.

Niederungsvieh statt Turbokuh

Auch bei den Tieren trägt Bollheim mit dem Rotbunten Niederungsvieh, einer alten Rinderrasse, zur Vielfalt bei. Die gemütvollen Tiere sind keine Hochleistungskühe, sondern überzeugen durch ihre Robustheit und das schmackhafte Fleisch. Doch Rinder für Milch und für Fleisch zu nutzen, ist in der Hochertragslandwirtschaft unüblich. Milchbauern halten Hochleistungskühe und Fleischerzeuger Fleischrinderrassen. Finanziell macht es einen großen Unterschied, je Kuh 6.000 Liter Milch im Jahr verkaufen zu können wie beim Niederungsrind oder bis zu 10.000 Liter von einer Turbokuh. Nicht selten hat ein sogenannter „Hochleistungsvererber“, etwa ein Bulle, bis zu eine Million Nachkommen. Die genetische Vielfalt bleibt dabei auf der Strecke. Daher sind viele Haustierrassen bedroht oder schon ausgestorben.

Erfolgsgeheimnis: Vielfalt

Doch wenn Vielfalt sich heute kaum rechnet, wie schafft es Haus Bollheim dann, mit seinen 200 Hektar Landwirtschaft, der Backstube, der Käserei, dem Hofladen und zehn Wochenmarkt-Ständen sogar für rund 40 Menschen Arbeitsplätze zu sichern?

Der Hof bekommt Direktbeihilfen aus Brüssel wie fast alle Betriebe. Im Jahr sind es rund 38.000 Euro Direktzahlungen. Das ist bei 40 Arbeits kräften auf dem Hof nicht einmal ein Monatslohn pro Person. Diese Direktzahlungen sind nicht an die Zahl der Arbeitsplätze oder an besondere Umweltleistungen gebunden. Das Geheimnis, warum dennoch so viele Menschen von der Arbeit auf Haus Bollheim leben können, liegt wohl eher in der Vielfalt der eigenen Verarbeitung und Vermarktung. Doch wie können die Bollheimer mit der industriellen Verarbeitung und den Discountern konkurrieren, die Nahrungsmittel viel billiger anbieten?

Auch dafür gibt es Beihilfen aus Brüssel. Bei Haus Bollheim macht die Förderung für Ökolandbau, regionale Vermarktung und Naturschutz nochmals 23.000 Euro im Jahr aus. Das Geld stammt aus dem Topf für Ländliche Entwicklung (Zweite Säule). Mit Hilfe dieser Förderung konnte Haus Bollheim die handwerkliche Verarbeitung, den Hofladen und die Werbung ausbauen – und nach und nach mehr Arbeitsplätze schaffen.

www.bollheim.de
www.muehlenbaeckerei-zippel.de

Zum Vergleich: Carl-Albrecht Bartmer, DLG-Präsident

Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts gesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, erhält für seinen knapp 1.000 Hektar großen konventionellen Betrieb in Sachsen-Anhalt jährlich rechnerisch 320.000 Euro Direktzahlungen. Er beschäftigt nach eigenen Angaben vier Angestellte. Macht 80.000 Euro je Arbeitskraft.

Auf Haus Bollheim machen alle Zahlungen aus Brüssel zusammen gut 61.000 Euro im Jahr aus. Bei 40 Beschäftigten erhält der Hof also nur 1.500 Euro je Arbeitsplatz.

Eine Umverteilung der Gelder zugunsten der Zweiten Säule, also für Ökolandbau und Regionalvermarktung, könnte zu mehr sozialer Gerechtigkeit, mehr Arbeitsplätzen auf dem Land, mehr Verbrauchernähe und Umweltschutz beitragen. Brüssel plant eine solche Umverteilung. Carl-Albrecht Bartmer und die DLG wehren sich massiv dagegen.

Lesen Sie mehr zu Subventionsansprüchen von Landwirtschafts-Funktionären in dieser BUND-Recherche.



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Mit Millionen-Subventionen aufgeblasene Konzerne attackieren einen Bauern auf seinem Hof. Doch der weiß sich zu wehren... (4 MB)

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Wussten Sie, dass Sie jedes Jahr weit über 100 Euro an Steuern zahlen, die Brüssel für die Landwirtschaft ausgibt? So kommen jährlich über 50 Milliarden Euro zusammen.

Mehr im BUND-Agarexpress:

Dieses Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Für die Inhalte ist allein der BUND verantwortlich.

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