Seit dem Beginn der Industrialisierung ist bereits mehr als die Hälfte der Eismasse in den Alpen geschmolzen. Jedes Jahr werden die Gletscher im Durchschnitt einen Meter dünner, schon 2050 werden sie fast verschwunden sein. Das ist nicht nur für Liebhaber der Alpen ein schmerzlicher Verlust – es hat auch dramatische Folgen.
Felsstürze und übervolle Gletscherseen
Die Grenze des ganzjährig gefrorenen Permafrostbodens verschiebt sich immer weiter in Richtung Gipfel – schon 150 bis 200 Höhenmeter ist sie gewandert. Und wo der Boden taut, gerät er leicht ins Rutschen, ganze Berghänge können sich lösen. Alle zehn großen Bergstürze der letzten Jahre haben sich in Permafrostzonen ereignet. An der Ostflanke des Eiger sind im Sommer 2006 Hunderttausende Kubikmeter Gestein abgebrochen. Die Hauptursache ist vermutlich der Rückgang des Unteren Grindelwaldgletschers, der Felsspalten und lockeres Gestein hinterlässt.
Unterhalb des schmelzenden Eises werden die Gletscherseen immer voller. Im Sommer 2006 kam eine Touristin in einem Strom aus Schlamm und Gesteinen ums Leben, als Schmelzwasser aus dem Schweizer Gletscher Vadret da l'Alp Ota eine Mure auslöste.
Mit hohem technischen Aufwand versuchen sich Gemeinden wie das schweizerische Pontresina gegen solche Katastrophen zu schützen. Mit dem gleichen Problem sehen sich auch viele Täler im Himalaya konfrontiert, wo die Gletscherseen bis zum Bersten gefüllt sind. Doch dort fehlen die finanziellen Mittel für technische Sicherungsmaßnahmen.