Wieder haben wir eine Klimakonferenz hinter uns gebracht, ohne im Kampf gegen den Klimawandel einen wesentlichen Schritt vorangekommen zu sein. Kopenhagen gipfelte in einem diplomatischen Wirrwarr.
Die 2007 auf Bali verabschiedete "Bali Roadmap" sah vor, dass in Kopenhagen ein neuer internationaler Vertrag verabschiedet werden sollte. Das ist notwendig, weil die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls 2012 endet und die Details für einen Anschluss bisher nicht vereinbart worden sind.
Dieses Ziel wurde in Kopenhagen grandios verfehlt. Nachdem die dänische Präsidentschaft die Textverhandlungen in der ersten Woche mit einem eigenen Vertragsentwurf topediert hatte, verliefen die weiteren Verhandlungen in ungeordneten Bahnen.
Das Ergebnis der Konferenz beinhaltet drei Dokumente. Auf der einen Seite die zwei offiziellen Arbeitsgruppenpapiere, die ein Fortsetzen im Rahmen der Bali Roadmap bis zur 16. Klimakonferenz in Mexiko vorsehen. Auf der anderen Seite den „Copenhagen Accord“ – mit inoffiziellem Charakter. Er ist nicht mehr als eine politische Willenserklärung von 25 Staaten, die vom Rest der Welt freundlich zur Kenntnis genommen wurde. Im Accord erklären die unterzeichnenden Staaten, dass sie die Empfehlung, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, ernst nehmen wollen. Außerdem stellen sie Geld für Anpassung und Waldschutz in Entwicklungsländern in Aussicht.
Wie es mit dem Accord weitergeht ist noch unklar. Sollte die Zahl der unterstützenden Staaten massiv zunehmen, wird die Staatengemeinschaft dieses Papier nicht ignorieren können. Eine diplomatische Herausforderung wird dann sein, den Accord in den Status eines offiziellen UN-Dokuments zu überführen.
Eine erste Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen, bietet sich im Mai/Juni 2010 in Bonn beim von Bundeskanzlerin Merkel initiierten Minister-Treffen und während der regulären Verhandlungsrunde der UN-Nebenorgane.
Bis dahin werden die Staatschefs der einzelnen Weltregionen die Köpfe zusammenstecken und eigene Strategien entwickeln, etwa beim EU-Rat am 12. Februar 2010. Im April lädt Boliviens Präsident Evo Morales zu einem alternativen Klimagipfel nach Cochabamba ein.