Gentech-Pflanzen sind für eine Landwirtschaft gemacht, deren Vorbild die industrielle Produktion ist. Große Flächen, auf denen Jahr um Jahr dieselbe Feldfrucht angebaut wird, lassen sich kaum effizienter bewirtschaften. Effizienz heißt: Senkung der Produktionskosten durch Einsparung von Arbeitskräften, Treibstoff und Maschinen und Sicherung des Ertrags über die Größe der bewirtschafteten Flächen, nicht über den einzelnen Hektar.
Beispiel Bt-Mais: Bt-Mais tötet durch sein eingebautes Insektengift den Maiszünsler, den wichtigsten Maisschädling. Dieser lässt sich durch die Vermeidung von Maismonokulturen und durch Stoppel- und Bodenbearbeitung gut bekämpfen. Für die Arbeit auf dem Feld sind jedoch Arbeitskräfte und Maschinen nötig. Aus betriebswirtschaftlichem Kalkül zahlen einige Landwirte lieber einen höheren Preis für gentechnisch verändertes Saatgut – statt auf Mischkulturen zu setzen und Maiszünsler- Prophylaxe mit Menschen und Maschinen zu betreiben.
Beispiel herbizidresistente Soja: Ihr Anbau erfolgt fast ausschließlich in so genannter pflugloser Bodenbearbeitung, d. h. es wird nicht gepflügt, sondern direkt nach der Saatbettbereitung ausgesät. Im Regelfall reichen zwei bis drei Arbeitsgänge: Saatbettbereitung, Aussaat und das Ausbringen von Herbizid und Düngemittel. Das spart Arbeitskräfte, Treibstoff und kostspielige Maschinen. Im Gegensatz dazu stehen etwa sechs Arbeitsgänge bei konventionellem, chemiegestütztem Sojaanbau mit Pflug. Wann sich der Anbau der Gentech-Soja nicht mehr rechnet, hängt von der Resistenzentwicklung der Unkräuter ab, von den Kosten für zusätzliche Herbizide und der Zahl zusätzlich erforderlicher Arbeitsgänge.
Fazit: Agro-Gentechnik steht für Rationalisierung auf dem Acker, für den Anbau einiger weniger Pflanzenarten auf immer größeren Flächen und für den Verlust von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft.
Agro-Gentechnik: Abbau von Arbeitsplätzen
Gegenwärtig gibt es in Deutschland in der privatwirtschaftlich finanzierten "Grünen Gentechnik" (Forschung und Produktion) nicht mehr als 500 Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Grüne Gentechnik als Arbeitsplatzmotor? Genaueres Hinsehen lohnt sich", die vom BUND in Auftrag gegeben und 2006 vom Lehrstuhl für Unternehmensführung der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg durchgeführt wurde.
Die Zahl der Arbeitsplätze, so die Studie, wird in absehbarer Zukunft auch nicht steigen, eher sei ein Rückgang der Beschäftigtenzahlen zu beobachten. Dies hänge vor allem mit dem fortschreitenden Konzentrationsprozess in der gesamten Biotechnologie-Branche zusammen.
Trotzdem schreiben ihre Befürworter der Agro-Gentechnik eine große beschäftigungspolitische Bedeutung zu. Die "Grüne Gentechnik" schafft Arbeitsplätze und garantiert Wirtschaftswachstum – diese Aussage wiederholen sie geradezu gebetsmühlenartig und vergessen darüber die einfache Tatsache, dass auch Arbeitplätze verloren gehen können. Und das nicht nur durch Rationalisierung, sondern auch durch Abwanderung wichtiger Unternehmen. So hat der Babykosthersteller Hipp Anfang 2006 öffentlich darüber nachgedacht, sein Unternehmen in die einem strikten Anti-Gentechnik-Kurs verpflichteten Nachbarländer Österreich oder Schweiz zu verlagern, wenn er in Deutschland die Gentechnikfreiheit seiner Produktion nicht mehr gewährleisten kann. Die Abwanderung von "Hipp" beträfe in Deutschland über 3.000 landwirtschaftliche Betriebe, die dem Konzern als Zulieferer dienen.
Gentech-Lebensmittel haben in Deutschland und in der EU keine Nachfrage, Daran hat sich in den letzten zehn Jahren nichts geändert. Deshalb bringt der Handel auch keine Gentech-Produkte auf den Markt. Dagegen erleben ökologisch produzierte Lebensmittel einen nie dagewesenen Aufschwung. Die ökologische Lebensmittelwirtschaft verzeichnete 2007 ein Plus von 15 Prozent. Diese Entwicklung ist durch die drohende Einführung der Agro-Gentechnik gefährdet. Für eine Handvoll Arbeitsplätze in der Agro-Gentechnik werden hunderttausende Arbeitsplätze im Biobereich aufs Spiel gesetzt