BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Kommerzieller Gentech-Anbau in Deutschland: Ende der Wahlfreiheit

Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, muss es Regeln für das Nebeneinander von konventioneller, ökologischer und Gentech- Landwirtschaft geben. Wie die sogenannte "Koexistenz" der drei Produktionsweisen rechtlich gestaltet wird, wird seit Jahren heftig diskutiert.

Seit dem 1. April 2008 ist ein neues Gentechnikgesetz in Kraft. Es regelt, unter welchen Bedingungen gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland erforscht und angebaut werden dürfen. Zeitgleich wurde die "Gute fachliche Praxis bei der Erzeugung gentechnisch veränderter Pflanzen" verabschiedet. Sie legt fest, wie die Koexistenz einer Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik funktionieren soll.

Maisernte, Foto: Makrohelmut/www.pixelio.de
Die gemeinsame Maschinennutzung ist in der Landwirtschaft üblich. Dadurch wird eine Verunreinigung konventioneller Ernten mit Gentech-Einträgen wahrscheinlich.

Das Gentechnikgesetz erleichtert es Landwirten, die Gentechnik zu nutzen. Es senkt das Schutzniveau für Landwirte, die sie ablehnen. Der Abstand eines Feldes mit Gentech-Mais zu konventionell bewirtschafteten Feldern beträgt nur 150 Meter, zu biologisch bewirtschafteten 300 Meter. Sowohl 150 als auch 300 Meter Abstand werden regelmäßig und dauerhaft zur Kontamination des normalen Maises führen. Damit ist das Schutzgut gentechnikfreie Landwirtschaft passé. Abstände zu Saatgutproduktionsflächen und zu Schutzgebieten sind gar nicht geregelt.

Bauern, die Gentech-Pflanzen anbauen, können sich mit ihren Nachbarn darauf verständigen, nichts gegen gentechnische Verunreinigungen zu unternehmen, z. B. keine Mindestabstände einzuhalten und auf eine Reinigung gemeinsam genutzter Maschinen zu verzichten. Über private Absprachen kann das Gesetz ausgehebelt werden. Betroffen sind davon auch Dritte: Bauern aus der unmittelbaren oder mittelbaren Nachbarschaft und möglicherweise auch Lebensmittelverarbeiter und – händler, die die Ernten und die daraus gewonnenen Produkte kaufen. Über die privaten Absprachen ist einer flächendeckenden, unkontrollierbaren Verbreitung gentechnisch veränderter Organismen Tür und Tor geöffnet.

Mit dem neuen Gentechnikgesetz hat die Bundesregierung eine Grundsatzentscheidung zugunsten der Agro-Gentechnik getroffen. Es wird mittelfristig dazu führen, dass Bauern und Verbraucher das verlieren, was bisher eine Selbstverständlichkeit ist: gentechnikfrei zu produzieren und zu essen. Deshalb fordert der BUND eine erneute Novellierung des Gesetzes mit dem Ziel, die die gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion auf Dauer zu sichern.

Der Anbau von Gentech-Pflanzen wird die Freiheit der Bauern und Verbraucher massiv beeinträchtigen, sich auch in Zukunft noch für garantiert gentechnikfreie Produkte zu entscheiden. Im Saatgut, auf dem Feld, über gemeinsame Maschinennutzung bei Aussaat und Ernte, während Lagerung, Transport und Verarbeitung – überall ist es möglich, dass Gentech-Pflanzen biologische und konventionelle Produkte verunreinigen. Je mehr gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, desto schwieriger wird eine strikte Trennung. Die Folge: Der Aufwand, Verunreinigungen zu vermeiden, wird steigen, gentechnische Kontaminationen können von der Ausnahme zur Regel werden.

Welche Verunreinigungsquellen durch gentechnisch veränderte Pflanzen es im landwirtschaftlichen Alltag gibt, illustriert die folgende Tabelle:

Arbeitsschritt Verunreinigung durch
Saatbettvorbereitung gentechnisch veränderte Samen aus Stroh und Hofdünger
Aussaat kontaminiertes Saatgut aus Samenbanken
Wachstum und Pflegemaßnahmen Einkreuzung durch Pollen und Wind
Ernte Vermischung in Erntemaschinen
Nacherntemaßnahmen Vorkulturen (Durchwuchs)
Lagerung und Verarbeitung Vermischung bei Lagerung und Verarbeitung (Ernte sowie Erntenebenprodukte)
Transport Vermischung

Weil sich die "Koexistenz" von konventioneller, biologischer und Gentech-Landwirtschaft sehr schnell als unmöglich erweisen kann und eine schleichende gentechnische Verunreinigung herkömmlicher Ernten wahrscheinlich ist, unterstützt der BUND die Gründung gentechnikfreier Regionen. Mehr Informationen finden sich unter www.gentechnikfreie-regionen.de.

Quelle: http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/gentechnik/risiken/wahlfreiheit/