Ob das neue Chemikalienrecht REACH ein Erfolg wird, hängt davon ab, wie es umgesetzt wird. Alle Spielräume, die die Verordnung bietet, um Umwelt und Gesundheit besser zu schützen, müssen genutzt werden. Folgende Punkte sind dabei besonders wichtig:
- Strenge Kriterien zur Identifizierung von persistenten und bioakkumulierbaren Stoffen: Über die Kriterien zur Identifizierung von giftigen Stoffen, die sich in der Umwelt nur schwer abbauen und die sich in Lebewesen anreichern (PBTs), wird zur Zeit noch verhandelt. Diese Kriterien müssen so festgelegt werden, dass sie auch tatsächlich alle wichtigen PBTs erfassen.
- Umgang mit hormonell wirksamen Schadstoffen: Hormonell wirksame Stoffe müssen unter REACH nur dann verpflichtend ersetzt werden, wenn belegt werden kann, dass "wahrscheinlich negative Auswirkungen bestehen". Häufig dauert es jedoch Jahrzehnte, bis die Schädlichkeit bestimmter Chemikalien eindeutig bewiesen werden kann. Diese Regel sollte daher großzügig ausgelegt werden, um Umwelt- und Gesundheitsschäden zu vermeiden, die sich später nicht mehr rückgängig machen lassen. Wenn Wissenschaftler es für wahrscheinlich halten, dass ein bestimmter Stoff hormonell wirksam ist, sollte er ersetzt werden müssen, selbst wenn der letzte Beweis noch aussteht.
- Keine falsche Sicherheit vortäuschen: Unter dem irreführenden Konzept der "angemessen Kontrolle" könnten Chemikalien, die Krebs erregen, die Gene verändern und/oder die Fruchtbarkeit schädigen (CMR-Stoffe), zugelassen werden, obwohl sichere Alternativen existieren. Die Idee, dass Hersteller gefährliche Chemikalien "angemessen kontrollieren" könnten, beruht auf der Annahme, dass es "sichere Grenzwerte" gibt, unter denen ein Stoff kein Gesundheitsrisiko mehr darstellt. Tatsächlich wirken viele Stoffe aber schon in geringsten Dosen. Auch sind bestimmte Risikogruppen wie Schwangere und Kleinkinder anfälliger als andere Betroffene. Schlägt die Industrie vor, "sichere Grenzwerte" für CMR-Stoffe zu entwickeln, täuscht dies eine falsche Sicherheit vor. Solche Vorschläge sind deshalb abzulehnen. Da eine "angemessene Kontrolle" der Risiken nicht realistisch ist, sollten CMR-Stoffe nach Möglichkeit gar nicht nicht erst zugelassen werden.
Mehr dazu im BUND-Hintergrundpapier: "REACH: Ein fauler Kompromiss auf Kosten von Umwelt und Gesundheit", Stand: 12. Dezember 2006