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Der Glanz täuscht: Nanosilber trotz Risiken in immer mehr Produkten

Versilberte Gartenzwerge: Ausschnitt aus dem Titel der neuen BUND-Studie

Nanosilber ist das in Alltagsprodukten am häufigsten eingesetzte Nanomaterial. Gegenständen oder Oberflächen soll damit eine keimtötende Wirkung verliehen werden. Die neue BUND-Studie "Nanosilber - der Glanz täuscht" gibt einen Überblick über die heute in Deutschland bereits erhältliche Produktpalette. Vor allem in Lebensmittelverpackungen, Medizinprodukten, Haushaltsgeräten, Farben, Textilien und Kosmetika kommt es zum Einsatz. Das Spektrum reicht dabei von sinnvollen Anwendungen im medizinischen Bereich bis zu Produkten mit zweifelhaftem Nutzen, wie eine den Körpergeruch hemmende Ausrüstung von Socken. Zum Teil werden Produkte explizit mit dem angeblich fortschrittlich klingenden Begriff "Nanosilber" beworben, gleichzeitig gibt es zahlreiche Artikel, die den Verbraucher darüber in Unkenntnis lassen, ob das Nanomaterial darin enthalten ist.

Was bedeutet "nano"?

Wie für alle Nanopartikel gilt auch für Nanosilber: Die Abmessungen der Teilchen sind extrem klein, mehr als 1000-fach kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Aufgrund der enormen Oberflächenvergrößerung im Vergleich zum Volumen besitzen Nanopartikel völlig neue Eigenschaften: Sie sind chemisch und biologisch wesentlich reaktiver und deutlich mobiler. Weil sie so klein sind, werden Nanomaterialen besser vom Körper aufgenommen und können bis in einzelne Zellen vordringen. Bei Silber ist die biozide Wirkung schon lange bekannt, Nanosilber wirkt jedoch deutlich stärker keimtötend.

Die BUND-Studie

Die BUND-Studie "Nanosilber - der Glanz täuscht" macht deutlich, dass mit der Anwendung von Nanosilber eine große Zahl von Risiken verknüpft ist. So kann der massenhafte Einsatz in Alltagsprodukten zur Resistenzbildung führen. Damit droht Nanosilber seine wichtige Funktion als Breitband-Antibiotikum in der Medizin zu verlieren. Tierversuche geben zudem Hinweise darauf, dass ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen, wie zum Beispiel Lungen- und Leberschäden, mit der Aufnahme von Nanosilber verbunden sein könnten. In der Umwelt scheint Nanosilber vor allem für die Jungstadien (Eier, Embryonen, Larven) von Tieren sehr toxisch zu sein. Es kann sich in der Nahrungskette anreichern und hat stark wassergefährdende Eigenschaften.

Obwohl die Risiken bekannt sind, drängen die Hersteller massenhaft auf den Markt. Das ist möglich, weil es für den Einsatz von Nanosilber in der Mehrzahl der Anwendungsbereiche keine für die Nanoform spezifischen Regelungen gibt.
Der BUND fordert von der Bundesregierung, dafür Sorge zu tragen, dass bestehende Gesetze, wie etwa die europäische Chemikalienverordnung REACH und die EU-Biozidrichtlinie, so überarbeitet werden, dass Nanosilber als eigener Stoff bewertet und reguliert wird. Solange keine ausreichenden Daten zu gesundheitlichen und ökologischen Risiken vorliegen, muss ein Vermarktungsstopp für verbrauchernahe Anwendungen gelten.

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