Vielen Alltagsgegenstände wie Elektronikartikeln und Möbeln enthaltenFlammschutzmittel. Die bekanntesten Vertreter dieser Stoffgruppe sind die bromierten Flammschutzmittel wie polybromierte Diphenylether (PBDE) und Hexabromcyclododecan (HBCD). In Europa wurden im Jahr 2005 knapp 30.000 Tonnen dieser Substanzen eingesetzt.
Bromierte Flammschutzmittel, die brennbaren Stoffen beigefügt werden, gehen keine chemischen Verbindungen mit den Kunststoffen ein und entweichen wieder, besonders bei Erwärmung. Folgerichtig lassen sie sich z.B. in der Innenraumluft nachweisen und gelangen über diesen Weg in den Menschen und in die Umwelt. Sie sind schwer abbaubar (persistent) und können sich in Lebewesen anreichern (bioakkumulierbar). Daher sind sie weit verbreitet und im Blut, im Fettgewebe und in der Muttermilch in beachtlichen Konzentrationen zu finden.
Bromierte Flammschutzmittel können in das Hormonsystem von Mensch und Tier eingreifen und dort nachhaltige Störungen verursachen. So konnte im Tierversuch eine dauerhafte Schädigung des Nervensystems mit Beeinträchtigungen des Lern- und Erinnerungsvermögens sowie des Verhaltens nachgewiesen werden – ähnlich den Wirkungen der bereits weltweit verbotenen polychlorierten Biphenyle (PCB). DecaBDE (zehn Bromatome) zeigt im Tierversuch und bei betroffenen Arbeitnehmern deutliche Hinweise auf eine kanzerogene Wirkung, ist aber noch immer weit verbreitet im Einsatz.
Das Inverkehrbringen und die Verwendung von penta- und octaBDE ist seit 2004 verboten, da das Risiko für die Umwelt und für den gestillten Säugling als zu hoch eingeschätzt wurde (Richtlinie 2003/11/EG). Hingegen darf decaBDE, das derzeit am meisten verwendete Flammschutzmittel bei Elektronikprodukten, trotz seiner schädigenden Wirkungen weiter verwendet werden. Eine starke Lobby der Bromindustrie wusste ein Verbot bislang zu verhindern.