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Aktuell: Hersteller und Händler reagieren auf BUND-Schnullertests

Die Untersuchungen des BUND zur Hormon-Chemikalie BPA in Schnullern zeigen Wirkung: Kaufland und Schlecker nehmen BPA-belastete Babyschnuller aus ihrem Sortiment. Die Hersteller von NUK (Mapa), Babylove (dm) und Baby-Nova (Novatex) kündigten die Umstellung ihrer Schnuller auf BPA-freie Ausgangsmaterialien an. Philips, Hersteller der im Test am höchsten belasteten Schnuller der Marke AVENT, hat bisher noch keine Umstellung seiner Produktion in Aussicht gestellt.

BUND-Tests ergeben: Babyschnuller geben Hormon-Chemikalie BPA ab

Viele Babyschnuller sind mit hormonell wirksamen Chemikalien belastet. In allen zehn im Auftrag des BUND untersuchten Schnullern wurde Bisphenol A (BPA) gefunden. Folgetests zeigten, dass die Substanz sich durch Speicheleinwirkung aus den Schnullern lösen und so in den Organismus der Babys gelangen kann. BPA steht im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Schädigungen der Gehirnentwicklung und Brustkrebs hervorzurufen.


Was das konkret bedeutet und worauf Sie achten sollten, können Sie in den häufig gestellten Fragen zum Thema Bisphenol A in Schnullern nachlesen.

Hormonell wirksames Bisphenol A besonders für Säuglinge schädlich

Babyschnuller, Foto: www.sxc.hu/B.Szewczyk

Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf hormonartige Schadstoffe wie BPA. Hormone spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Organen. Ist der Körper künstlichen hormonähnlichen Stoffen ausgesetzt, können diese das empfindliche Gleichgewicht der natürlichen Hormone stören. Die höchsten Konzentrationen an BPA wurden in den Kunststoffschildchen gefunden, die den eigentlichen Schnullersauger halten. Die Kunststoffschildchen bestanden mit einer Ausnahme aus Polycarbonat, bei dessen Herstellung BPA eingesetzt wird. In den Schildchen aus Polycarbonat zeigten sich in den Untersuchungen Konzentrationen zwischen 200 und fast 2.300 Milligramm pro Kilogramm.

Wie kommt der Stoff in die Sauger?

Auch in den Saugteilen der Latex-Schnuller von Babysmile, Dentistar, Babylove und NUK, sowie bei einem der sechs untersuchten Silikon-Schnuller (von AVENT) lagen die Analysewerte zwischen 80 und 400 Milligramm pro Kilogramm. Eine mögliche Erklärung wäre, dass Bisphenol A aus den Hartkunststoff-Schildchen in den weichen Saugteil diffundiert. Dafür spricht die hohe Mobilität von BPA sowie die Tatsache, dass in fast allen Schnullern mit hohen Konzentrationen der Chemikalie in den Saugern noch höhere Konzentrationen in den Kunststoffschildchen gefunden wurden. Angesichts der hohen Mengen lässt sich auch nicht ausschließen, dass BPA bereits den Ausgangsmaterialien beigemengt wurde. So fanden sich in den meisten Silikonfabrikaten im Vergleich zu den Latexfabrikaten geringere Mengen der Chemikalie. Die deshalb durchgeführten Vergleichsuntersuchungen des stark belasteten Silikon-Saugers der Marke AVENT deuten darauf hin, dass hier BPA bereits im Ausgangsmaterial vorhanden war. Die hohen Werte bestätigten sich in zwei Fällen, in einer dritten Probe aus einer anderen Charge wurde kein Bisphenol A nachgewiesen.

BPA wird durch Speichel aus den Schnullern gelöst

Fünf von sechs in einem Folgetest untersuchten Schnullerfabrikaten, darunter vier mit Latex-Saugern und eines mit Silikon-Saugteil, hatten bereits nach einer Stunde BPA in Mengen zwischen ein und zehn Mikrogramm pro Liter in eine speichelähnliche Salzlösung abgegeben. Lediglich aus dem mit "BPA-free" beworbenen Schnuller des Herstellers MAM sind keine nachweisbaren Mengen ausgetreten. Das von den Herstellern vor dem Einsatz empfohlene Auskochen der Schnuller hat in den Versuchen zu einer Erhöhung der BPA-Werte um ein Vielfaches geführt.

Schadstoffe gehören nicht in Schnuller

Die Hersteller wurden vom BUND noch vor Vorliegen der Einzelergebnisse in schriftlicher Form befragt, ob und in welcher Weise Bisphenol A im Produktionsprozess eingesetzt wird und wie gewährleistet wird, dass keine hormonell wirksamen Chemikalien in ihren Schnullern vorhanden sind. Mehrere Hersteller gaben an, ausschließen zu können, dass BPA im Saugteil ihrer Schnuller vorhanden ist, obwohl die BUND-Untersuchungen dies nun in Frage stellen. Einige Hersteller räumten jedoch ein, dass die Kunststoffschildchen aus Polycarbonat bestehen und daher Bisphenol A enthalten.

Hersteller müssen Produktion umstellen

Der BUND fordert die Hersteller auf, bei der Produktion der Kunststoffschilde auf Polycarbonat zu verzichten. Es ist bekannt, dass Kinder gern alles in den Mund nehmen, das gilt auch für den ganzen Schnuller. Außerdem steht das Kunststoffschildchen beim Saugen in ständiger Berührung mit den Lippen des Kindes. In diesem sensiblen Anwendungsbereich haben hormonell wirksame Schadstoffe nichts verloren. Die Firmen müssen ihre Produktion umstellen und künftig auf BPA verzichten. Außerdem müssen die Hersteller aufklären, wie BPAin die Sauger gelangen konnte.

Handeln müssen auch die Behörden. Der BUND fordert ein Verbot von BPA und anderen hormonartig wirksamen Chemikalien nicht nur für Schnuller und Babyflaschen, sondern für alle Kleinkinderartikel und für Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.



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