Vor kaum 30 Jahren stand der Wanderfalke in Deutschland vor dem Aus: Von einst 800 Brutpaaren waren 1975 kaum 40 übrig geblieben. Vogelschützer mussten tatenlos mit ansehen, wie Horst um Horst verwaiste. Erst allmählich kam die Ursache ans Licht. In den Falken fand man hohe Konzentrationen des Pestizids DDT. Und dieses DDT war schuld daran, dass viele Eier unbefruchtet oder so dünnschalig waren, dass sie zerbrachen. So blieb der Wanderfalke viele Jahre praktisch ohne Nachwuchs.
Seit 1983 ist DDT in der EU verboten, noch heute aber ist das langlebige Gift in Gewebeproben zu finden. Der Wanderfalke hat 20 Jahre gebraucht, um sich zu erholen. Über 600 deutsche Brutpaare gibt es wieder – auch dank der Arbeit unzähliger Naturschützer. Doch erneut zeigen sich verheerende Auswirkungen, die auf die Chemikalienbelastung unserer Umwelt zurückzuführen sind. In den Eiern schwedischer Wanderfalken fand man hohe Konzentrationen von PBDE (polybromierte Diphenylether), weltweit eingesetzten Flammschutzmitteln. Sie verhalten sich in der Umwelt ähnlich wie DDT. Reichern sich PBDE an, können sie über Eingriffe ins Zentralnervensystem Verhaltensstörungen auslösen. Um das Brutvorkommen des Wanderfalken zu sichern, brauchen wir einen verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien und eine am Vorsorgeprinzip ausgerichtete Gesetzgebung.
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