Auch Frösche und Krokodile reagieren empfindlich auf hormonelle Störungen.
1980 gab es einen verheerenden Unfall im See Apopka in Florida. Dicofol, ein chemischer Verwandter des bekannten Schadstoffes DDT, und andere Chemikalien gelangten in großen Mengen in den See. Während der vier darauf folgenden Jahre ging die Population der Alligatoren um 90 Prozent zurück und hat sich immer noch nicht erholt. Bei männlichen Alligatoren wurden geringere Mengen männlicher Geschlechtshormone gefunden, in weiblichen Tieren erhöhte Mengen weiblicher Hormone. Zusätzlich wiesen die Eierstöcke der Weibchen und die Hoden und Penisse der Männchen diverse Missbildungen auf.
Frösche, Kröten und Molche durchlaufen von der Kaulquappe zum erwachsenen Tier eine erstaunliche Metamorphose. Für die Tiere bedeutet das eine vollständige Umbildung der Form und Biochemie ihres Körpers. An diesem Prozess sind verschiedene Hormone beteiligt, weshalb Amphibien durch hormonelle Schadstoffe besonders gefährdet sind.
Zudem graben sich einige Amphibien während des Winterschlafs in den Boden ein. Dadurch sind sie über einen langen Zeitraum den Schadstoffen direkt ausgeliefert, zum Beispiel dem Unkrautvernichtungsmittel Atrazin. Atrazin ist ein sehr langlebiger Schadstoff, der zu den sogenannten Umwelthormonen gehört. In vielen europäischen Ländern ist das Mittel verboten, da es häufig Trinkwasserreservoire vergiftet. Neuere Forschungen in den USA konnten zeigen, dass die Männchen von mindestens zwei verschiedene Froscharten – Afrikanischer Krallenfrosch und Leopardfrosch – Miss- und Zwitterbildungen der Geschlechtsorgane zeigten, wenn sie Atrazin ausgesetzt waren.