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Atomkraft in Deutschland

Atomenergienutzung

In Deutschland haben derzeit 17 AKW eine Betriebsgenehmigung. Sie haben 24 Prozent Anteil an der gesamten Stromproduktion. In Betrieb sind diese aber längst nicht immer. Die AKW in Biblis stehen seit dem Herbst 2006 still, und auch die AKW Brunsbüttel und Krümmel werden 2007 nicht wieder ans Netz gehen.

Von den 19 westdeutschen Atomkraftwerken wurden nach dem Atomkonsens bisher nur die beiden kleinen AKW Obrigheim und Stade vom Netz genommen. Die ostdeutschen Reaktoren an den Standorten Rheinsberg, Stendal und Greifswald wurden mit der Wiedervereinigung stillgelegt.

Die atompolitische Debatte

Westdeutschland legte in den 1950er Jahren ein Atomprogramm auf – durchaus misstrauisch von Staaten wie Frankreich beobachtet, nachdem die Nationalsozialisten bis zum Ende des zweiten Weltkriegs fieberhaft an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet hatten. War die deutsche Energiepolitik zunächst vom Glauben an paradiesische Zustände durch Atomkraft geprägt, fand ab den 1970er Jahren unter dem Einfluss der Großdemonstrationen und verstärkt seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 teilweise ein Umdenken statt.

Im Jahr 2002 vereinbarten die rot-grüne Bundesregierung und die Energiekonzerne den Ausstieg aus der Atomkraft. Inzwischen fordern die Energiekonzerne den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Es drohen also Laufzeitverlängerungen für die deutschen AKW.

Die möglichen Endlagerstandorte Schacht Konrad und Gorleben sind auch durch den Konsens nicht vom Tisch. Auch in Deutschland gibt es keine Lösung des Atommüllproblems. Spät, aber immerhin, wurden zum 1. Juli 2005 die Castor-Transporte in die schmutzigen Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield beendet.

Antiatom-Bewegung

Schon lange vor den großen westdeutschen Anti-Atom-Demonstrationen in den 1970er Jahren stießen die ersten Pläne für die ‚friedliche Nutzung der Kernenergie’ in der Bevölkerung auf Skepsis und Ablehnung. Denn im oppositionellen Protest gegen die Stationierung US-amerikanischer Atombomben in der Bundesrepublik bezweifelten viele – zu Recht – die Trennbarkeit militärischer und ziviler Atomenergienutzung.

Ab 1975 kam der Bau des AKW Whyl bundesweit in die Schlagzeilen, als bis zu 20.000 Menschen den Bauplatz besetzten und schließlich durch einen groß angelegten Polizeieinsatz geräumt wurden.

In den 1980er Jahren stand die im bayerischen Wackersdorf geplante Wiederaufbereitungsanlage im Mittelpunkt der Anti-Atom-Proteste. In seltener Eintracht fanden hier Demonstrationen von bis zu 70.000 Menschen statt - aufgebrachte Bevölkerung sowie AktivistInnen aus dem ganzen Bundesgebiet. Rund 881.000 Einwendungen von BürgerInnen gingen ein, und auch die zuständige Landratsbehörde verweigerte dem Projekt die Baugenehmigung, bis das Land Bayern die Zuständigkeit an sich zog. 1989 kam für den bis dahin schon 10 Mrd. Mark teuren Bau schließlich das Aus.

In der ehemaligen DDR kam ein stärkerer Anti-Atom-Protest erst nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl auf und konzentrierte sich v.a. auf den AKW-Bau in Stendal. Das Ministerium für Staatsicherheit, in dessen Unterlagen regelmäßig vom "Staatsauftrag 'Kernenergie'" die Rede war, versuchte mit verschiedenen Mitteln, die vor allem aus Kirchenkreisen laut werdende Kritik an der Atomkraft zu verhindern.

Seit 1995 gibt es insbesondere fortgesetzte Proteste und Großdemonstrationen gegen die Atommülltransporte.

 



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