Antiatom-Bewegung
Schon lange vor den großen westdeutschen Anti-Atom-Demonstrationen in den 1970er Jahren stießen die ersten Pläne für die ‚friedliche Nutzung der Kernenergie’ in der Bevölkerung auf Skepsis und Ablehnung. Denn im oppositionellen Protest gegen die Stationierung US-amerikanischer Atombomben in der Bundesrepublik bezweifelten viele – zu Recht – die Trennbarkeit militärischer und ziviler Atomenergienutzung.
Ab 1975 kam der Bau des AKW Whyl bundesweit in die Schlagzeilen, als bis zu 20.000 Menschen den Bauplatz besetzten und schließlich durch einen groß angelegten Polizeieinsatz geräumt wurden.
In den 1980er Jahren stand die im bayerischen Wackersdorf geplante Wiederaufbereitungsanlage im Mittelpunkt der Anti-Atom-Proteste. In seltener Eintracht fanden hier Demonstrationen von bis zu 70.000 Menschen statt - aufgebrachte Bevölkerung sowie AktivistInnen aus dem ganzen Bundesgebiet. Rund 881.000 Einwendungen von BürgerInnen gingen ein, und auch die zuständige Landratsbehörde verweigerte dem Projekt die Baugenehmigung, bis das Land Bayern die Zuständigkeit an sich zog. 1989 kam für den bis dahin schon 10 Mrd. Mark teuren Bau schließlich das Aus.
In der ehemaligen DDR kam ein stärkerer Anti-Atom-Protest erst nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl auf und konzentrierte sich v.a. auf den AKW-Bau in Stendal. Das Ministerium für Staatsicherheit, in dessen Unterlagen regelmäßig vom "Staatsauftrag 'Kernenergie'" die Rede war, versuchte mit verschiedenen Mitteln, die vor allem aus Kirchenkreisen laut werdende Kritik an der Atomkraft zu verhindern.
Seit 1995 gibt es insbesondere fortgesetzte Proteste und Großdemonstrationen gegen die Atommülltransporte.